Hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 1.200 Asylanträge ohne rechtliche Grundlage durchgewinkt? Eine leitende Mitarbeiterin der Außenstelle des Bamf in Bremen soll genau das getan haben, glaubt man den Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und Radio Bremen. Die Frau wurde bereits vom Dienst suspendiert. In Zusammenarbeit mit drei Anwälten habe die ehemalige Leiterin der Außenstelle systematisch Asylbewerber auch aus anderen Bundesländern zum Bleiben in Deutschland verholfen.

Geld verdient mit jesidischen Schicksalen?

Die positiven Bescheide aus Bremen gingen vorrangig an Jesiden. Die kurdische religiöse Minderheit aus Nordsyrien und dem nördlichen Irak litt besonders unter der Schreckensherrschaft des IS.

Ermittelt wird nun, ob sich die Beamtin und die Anwälte mit den unrechtmäßigen Asylverfahren dieser Schutz suchenden Menschen bereichert haben. Bekannt sind zumindest Restaurant-Einladungen und ähnliche Zuwendungen, die die Bamf-Mitarbeiterin erhalten haben soll.

Die Bremer Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Ermittlungen gegen die frühere Leiterin, drei Anwälte und einen Dolmetscher wegen Verdacht auf Bestechlichkeit und bandenmäßige Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragsstellung eingeleitet wurden. Durchsuchungen von Objekten in Bremen und Niedersachsen haben in den letzten Tagen stattgefunden.

Die Beamtin muss sich nun dem Vorwurf stellen, dass die Außenstelle Bremen formal gar nicht für die Antragssteller zuständig gewesen ist und sie über die Anträge in Eigenregie entschieden habe.