Als erster Papst überhaupt ist Franziskus am Montagmorgen in Myanmar im Rahmen seiner Asienreise angekommen. Dennoch ist der Besuch heikel. Im Fokus steht die Krise um die muslimische Minderheit der Rohingya. Fraglich ist also ob und wie das Kirchenoberhaupt auf die Vertreibung reagieren wird.

Freundlicher Empfang

Die wenigen Christen der 54 Millionen Einwohner zeigten sich mehr als erfreut über den Besuch von Papst Franziskus, denn immerhin ist es das erste Mal, dass ein Kirchenoberhaupt das buddhistisch geprägte Land besucht. Am Montagmorgen traf Franziskus am Flughafen ein, zahlreiche Kinder empfingen des Papst und riefen „Viva Papa“ („Es lebe der Papst“). Erwachsene trugen Shirts mit dem Aufdruck „Love and Peace“ und Straßenlaternen zierten das Angesicht des Pontifex. Nach offiziellen Angaben sollen etwa 30.000 Menschen den Weg vom Flughafen bis hin zu seiner Unterkunft für die nächsten zwei Tage gesäumt haben. Die Sicherheitsvorkehrungen im Land sind enorm.

Rohingya-Krise

Im Sommer machte die Krise um die muslimische Minderheit der Rohingya weltweit Schlagzeilen. Auch Papst Franziskus äußerte sich besorgt über den Zustand. Unklar ist allerdings, ob er sich auch vor Ort kritisch zeigen wird. Kardinal Charles Bo, Erzbischof von Rangun, riet dem Pontifex, nicht das Wort Rohingya zu benutzen. In Myanmar werden die Rohingya und ihre Angehörigen als illegale Einwanderer angesehen, selbst wenn sie schon seit Generationen in dem südostasiatischen Land leben. Man bezeichnet sie außerdem als „Bengalen“, damit deutlich wird, dass sie aus dem mehrheitlich muslimischen Land Bangladesch stammen.

Am Dienstag will sich Papst Franziskus mit Aung San Suu Kyi, der Quasi-Regierungschefin des Landes, treffen. Sie gilt vor allem aufgrund ihrer Haltung in der Rohingya-Krise als äußerst umstritten, weil sie die Gewalt gegen die Muslime nicht stoppte. Die Vereinten Nationen sprechen in diesem Zusammenhang sogar von einer „ethnischen Säuberung“. Suu Kyi könnte dadurch sogar ihren Friedensnobelpreis verlieren, den sie 1991 für den gewaltlosen Einsatz für Menschenrechte und Demokratie bekam.

„Abschiebung in die Hölle“

Von Franziskus, der sich stets für Flüchtlinge, Menschenrechte und gegen Armut stark macht, wird erwartet, dass er in Myanmar nicht von Rohingya spricht, sondern erst in Bangladesh. Beide Länder einigten sich vor Kurzem darüber, dass die muslimischen Flüchtlinge nach Myanmar zurückkehren dürfen. Allerdings wird sich das als schwierig erweisen, da sie sich weiterhin vor Gewalt gegen sie fürchten. Die Opposition in Bangladesh erklärte: „Schritte zur Rückführung der Rohingya zu unternehmen, ohne Repression und Genozid in ihrem Heimatland zu stoppen, kommt einer Abschiebung in die Hölle gleich.“