Die Polizei ist in mehreren Bundesländern gegen die türkisch-nationalistische Rockergruppe „Osmanen Germania“ vorgegangen. Das Innenministerium hält die Rockergruppe nicht nur für einen Boxclub, sondern auch für gefährlich und kriminell, denn Zweck und Tätigkeit des Vereins sollen den Strafgesetzen zuwiderlaufen. In Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg wurden am Dienstagmorgen mehrere Objekte durchsucht.

Bund und Länder zeigen mit den heutigen Maßnahmen, dass wir kriminelle Aktivitäten egal vor welchem gesellschaftlichen Hintergrund nicht dulden,

erklärte der geschäftsführende Innenminister Thomas de Maizière, für den das wohl die letzte Amtshandlung war, bevor Horst Seehofer seinen Posten übernimmt.

41 Objekte inspiziert

Nach Angaben der Essener Polizei wurden am Morgen in NRW insgesamt 41 Objekte ins Visier genommen. Mit dabei auch Spezialkräfte der Polizei, weil die betroffenen Rocker als gefährlich eingeschätzt würden. Mit den Durchsuchungen will man Klarheit über die Vereinsstrukturen und Aktivitäten bekommen. Über ein mögliches Vereinsverbot ist da noch nicht die Rede.

Auch in Hessen durchsuchten die Einsatzkräfte zehn Objekte, vorrangig im Westen und Süden Hessens. Die „Stuttgarter Nachrichten“ berichteten unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass in Baden-Württemberg Objekte in Jettingen bei Nagold, Crailsheim, Mannheim, Gerabronn sowie Räume in den Justizvollzugsanstalten Offenburg und Stuttgart Stammheim durchsucht wurden. Dort sollen Anführer der Osmanen Germania in Untersuchungshaft sitzen.

Verbindungen zu AKP und Erdogan machen Innenministerium stutzig

Nach außen hin sieht der Verein sauber aus, sogar fast wohltätig. Er gibt sich als Boxclub, der Jugendliche von der Straße holt, hieß es beim Bundesinnenministerium. Tatsächlich sei der Zweck aber in der gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber konkurrierenden rockerähnlichen Gruppierungen.

Mit der Maßnahme zeigen wir einmal mehr, dass unser Rechtsstaat entschieden und konsequent gegen jedwede Form der Kriminalität vorgeht,

sagte de Maizière

Das nordrhein-westfälische Innenministerium hat sogar Hinweise, dass der Boxklub in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und demnach auch zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan steht.