Der Sondergipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Istanbul stellte sich am Mittwoch der gegenwärtig wohl am heftigsten geführten Debatte: Jerusalem. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zu diesem islamischen Sondergipfel eingeladen, um der US-amerikanischen Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel geballt entgegenzuwirken.

Bereits zu Konferenzbeginn hielt Erdogan mit seiner Erwartungshaltung nicht hinter dem Berg. So solle Jerusalem nicht etwa Israel allein zukommen, sondern viel mehr als Hauptstadt von „Palästina“ ausgerufen werden. Die Forderung nach einem souveränen und unabhängigen Palästina mit Jerusalem als Hauptstadt würden die islamischen Staaten niemals aufgeben, so Erdogan.

USA kein Vermittler mehr im Friedensprozess in Nahost?

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teilt die Forderung Erdogans. Den USA sprach Abbas ihre langjährige Vermittlerrolle im Nahost-Konfikt ab. Schließlich sei Jerusalem kein „Geschenk“, das man einfach „an die zionistische Bewegung“ weiterreichen könne. Viemehr möge nur die Zweistaatenlösung mit Ost-Jerusalem als „Hauptstadt des Staates Palästina“ Frieden und Stabilität ermöglichen.

Uneinigkeit in der islamischen Welt

So einig sich Erdogan und Abbas in ihren Forderungen sind, so uneinig scheint der Rest der insgesamt 57 OIC-Staaten. Zwar verurteilte die Arabische Liga Trumps Jerusalem-Haltung einstimmig bei einem Dringlichkeitstreffen in Kairo am Samstag und mahnte den US-Präsidenten zur Rücknahme seiner Entscheidung. Doch wollen viele arabische Staaten wie Saudi-Arabien ihre partnerschaftlichen Beziehungen mit den USA nicht negativ beeinflusst wissen.

Mehrere große Länder der muslimischen Welt wollen weder eine Konfrontation mit den USA, noch mit Israel vor dem Hintergrund der wachsenden Spannungen mit dem Iran,

erklärte Sinan Ülgen vom Politikinstitut Edam.