Noch drei Tage müssen die mehr als 600 Flüchtlinge des Rettungsschiffs Aquarius noch auf hoher See aushalten bis sie den sicheren Hafen in Valencia erreichen. Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée beschreibt die Situation als alles andere als ideal.

Nachdem bereits Italien und Malta der Aquarius das Anlegen verweigert hatten, erklärte sich nun Spanien bereit die über 600 Flüchtlinge aufzunehmen. Zur Entlastung der Aquarius haben zusätzlich zwei Schiffe der italienischen Küstenwache Flüchtlinge an Bord genommen. Zusammen fährt man nun Richtung Valencia. Jana Ciernioch von der SOS Méditerranée, die die Aquarius betreibt: „Wir rechnen damit, dass wir mindestens drei Tage brauchen bis wir in Valencia ankommen.“

Die Zeit spielt gegen sie

Die zusätzlichen drei Tage Schifffahrt wird für alle Beteiligten eine Tortur. An Bord befinden sich Menschen, die bereits jetzt am Ende ihrer Kräfte sind. Schwangere Frauen, Jugendliche ohne Eltern, hilflose Kinder. Viele von ihnen waren bei der Rettungsaktion in Lybien ins Wasser gefallen, viele von ihnen mussten bereits wiederbelebt werden.

Ciernioch ergänzt: „Wir haben die letzten Tage immer wieder versucht, darauf hinzuweisen, dass wir einen sicheren Hafen brauchen, der nahe gelegen ist. Spanien hat sich glücklicherweise bereit erklärt, die 629 Geretteten aufzunehmen. Aber es ist weit davon entfernt eine ideale Lösung zu sein.“

Flüchtlingsverteilung – Streit zwischen Italien und Malta

Italiener und Malteser streiten indes noch darüber, wer die Flüchtlinge hätten aufnehmen müssen. Malta sagt die Italiener, schließlich koordinieren sie derartige Rettungsaktionen. Italien gibt Malta die Schuld, da sie näher an der Rettungszone vor Lybien liegen.

Ciernioch meint: „Seit zweieinhalb Jahren operieren wir unter der Koordination der italienischen Seenotleitstelle. Also unter Koordination der italienischen Behörden, die bisher immer unsere Rettungseinsätze angewiesen haben, koordiniert haben. Und dazu gehört auch die Zuweisung eines sicheren Hafens.“

Allerdings sieht die Sprecherin des SOS Méditerranée nicht nur Italien, sondern die ganze EU in der Verantwortung: „Es ist keine italienische Grenze, an der im Mittelmeer Menschen sterben, sondern es ist eine europäische, und dafür müssen europäische Lösungen her.“