Heute beginnt das zweitägige Gipfeltreffen der G7-Länder in Quebec (Kanada). Inhaltlich könnte es ein Fiasko werden, denn die Wertegemeinschaft steckt offenbar in einer tiefen Krise.

Streit mit Trump eskaliert vorab

Bereits vor dem Gipfel kam es zu offenen Konflikten zwischen den G7-Partnern und den USA. Frankreich rief anschließend auf, sich geschlossen der amerikanischen „Vormachtpolitik“ entgegenzustellen.

Besonders polarisiert das Thema Sonderzölle auf Importe aus Europa, Kanada, Mexiko und Japan. Weitere Reibungspunkte sind der Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzvertrag sowie dem Atom-Abkommen mit dem Iran. Donald Trump reagierte via Twitter ironisch auf die vorzeitigen Spannungen:

Bitte sagt Premierminister Trudeau und Präsident Macron, dass sie die Vereinigten Staaten mit massiven Zöllen und anderen (…) Handelshemmnissen belegen.

Der US-Präsident fügte hinzu, dass er sich bereits auf das Treffen in La Malbaie freue. Außerdem verteidige der Republikaner die eingeführten Sonderzölle, indem er Kanada vorwarf, auf US-Molkereiprodukte bis zu 300 Prozent anzusetzen. Das schade den Bauern und töte unsere Landwirtschaft, hieß es weiter.

Bundesregierung äußert Kritik

Die Bundesregierung ist mittlerweile unsicher, ob sich die Staatengemeinschaft unter diesen Bedingungen zu einer gemeinsamen Erklärung einigen kann. Außenminister Heiko Maas bemerkte am Freitag, dass es Differenzen gebe, die man nicht mehr unter den Teppich kehren könne.

Trumps Nein zum Klimavertrag und zum Iran-Abkommen sowie die Zölle seien alles einseitige Entscheidungen zum Schaden Europas,

so der SPD-Minister gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Besonders problematisch findet er, dass sich Trump von der multilateralen Ordnung abwendet und ausschließlich amerikanische Interessen in den Vordergrund stellt.

Nichts davon wird die Welt besser, sicherer oder friedlicher machen.

Die Abkehr vom Iran-Atomabkommen wird als besonders gefährlich eingestuft. „Wir waren gewohnt, dass man sich auf das verlassen konnte, was vereinbart wurde“, erklärte Maas, der dennoch weiter versichert, dass die USA außerhalb Europa Deutschlands engster Verbündeter bleiben. Trotzdem sei die EU um neue Bündnisse bemüht.

EU setzt auf gemeinsame Strategie

Vorab planen die europäischen Teilnehmer ein Treffen in einem Luxushotel am Sankt-Lorenz-Strom. Hier wollen sie ihre gemeinsame Strategie abstimmen. Frankreichs Präsident Macron bat um ein Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel, der britischen Premierministerin Theresa May und dem neuen Regierungschef Italiens, Giuseppe Conte.

Wir müssen uns organisieren und zusammenarbeiten,

erklärte Macron und fügte hinzu:

Ich glaube an multilaterale Zusammenarbeit und das erlaubt es uns, gegen Hegemonie zu kämpfen.

Frankreich sei allerdings nicht bereit, eine gemeinsame Abschlusserklärung zu unterschreiben, wenn es bei den Streitthemen keine Zugeständnisse aus Washington gebe.

Trump verlässt den Gipfel vorzeitig

Doch damit nicht genug, der US-Präsident ließ am Donnerstag verlauten, dass er den G7-Gipfel frühzeitig verlassen werde. Grund ist eine Reise nach Singapur, wo er in der nächsten Woche Machthaber Kim Jong Un trifft.

Ob es am Sonnabend trotzdem zu einer gemeinsamen Abschlusserklärung kommt, bleibt abzuwarten. Bereits bei Trumps ersten G7-Gipfel auf Sizilien wäre das Kommuniqué fast geplatzt.

Verliert die G7 weiter an Bedeutung?

Im Gründungsjahr 1975 standen die damals noch sechs Mitgliedsstaaten für globale Wirtschaftskraft. Heute hat sich das verändert. China, Indien und Brasilien haben in den letzten Jahren stark aufgeholt.

Geschwunden ist gleichzeitig das politische Gewicht der G7-Staaten. Russlands Ausschuss wegen der Annexion der Krim vor vier Jahren hat Spuren hinterlassen. Die Handlungsoptionen in Syrien oder in der Ukraine sind für die G7-Staaten ohne Russland gering.

In der Kritik stehen ebenso die Kosten der Treffen. Experten schätzen diese auf 400 Millionen Euro.