Als unangemessen kleinlich dürften die Hinterbliebenen des Terror-Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz vor einem Jahr die Bedingungen der offiziellen Einladung zum heutigen Gedenktag empfinden. Darüber kann auch der einfühlsame Brief von Berlins Bürgermeister Michael Müller nicht hinwegtäuschen.

Begrüßen möchte man die Angehörigen der zwölf Todesopfer und die rund 50 damals Verletzten selbstverständlich – schließlich soll zum ersten Jahrestag der Horrorfahrt durch den Islamisten Anis Amri der „Goldene Riss“ vor der Gedächtniskirche zu Ehren der Opfer enthüllt werden.

Für ihre Anreise gibt es jedoch unter sieben Punkten detaillierte Anweisungen, die jegliche finanzielle Ausnutzung vorab abzuwenden sucht. Taxikosten würden beispielsweise nicht erstattet, stattdessen müsse auf öffentliche Verkehrsmittel ausgewichen werden. Auch die Kosten für die Anreise mit dem eigenen Auto dürfen keinesfalls den Betrag für ein möglicherweise günstigeres Bahn- oder Flugticket übersteigen.

Hinterbliebene äußerten sich bereits empört. Gerade nach ihrem gemeinsamen offenen Brief an die Bundeskanzlerin mit dem Vorwurf des fehlenden Respekts hätten sich viele eine großzügigere Geste seitens der Bundesregierung erwartet.

Gerade jetzt, wo sich herausstellt, dass die Behörden und somit der Staat eklatante Fehler gemacht haben, eine Mitschuld tragen, hätte ich mehr Großzügigkeit erwartet,

kritisierte die damals Verletzte Silvia B.

Sie wollten nur Geld sparen, alles war sehr kalt. Sie haben nicht versucht, uns zuzuhören oder unsere Bedürfnisse zu verstehen. Die Behörden haben mit ihrem Verhalten noch zu unserem Schmerz beigetragen.

verlieh ein Angehöriger der ermordeten Israelin Dalia Elyakim seiner Betroffenheit Ausdruck.