In Essen nimmt die Tafel keine neuen Ausländer mehr in ihre Kartei auf. Sie sollen zunehmend ältere Deutsche verdrängt haben.

Grund für den Aufnahmestopp sei ein permanenter Verteilungskampf: „Wenn wir um neun Uhr die Tür aufmachen, dann wird die Oma, die dort seit sieben Uhr steht weggeschupst“, erklärt Jörg Sartor, Vorsitzende des Vereins die Maßnahme. Mittlerweile seien 75 Prozent der etwa 600 Tafel-Nutzer Flüchtlinge und Zuwanderer.

Kritik aus den eigenen Reihen

Für den Aufnahmestopp hagelt es jetzt Kritik, auch aus den eigenen Reihen. „Ich sehe das als Notbremse, die ich so nicht nachvollziehen kann. Aber das ist eine Notbremse, die aufgrund der besonderen Situation in Essen passiert. Bei uns steht die Not und Bedürftigkeit im Vordergrund und niemals die Herkunft.“, so Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafel Deutschland.

Jörg Sartor sei bewusst, dass die Regelung Konfliktpotential bei einer sozialen Einrichtung wie der Tafel bietet. Dennoch verweist er auf die älteren und alleinerziehenden Frauen, die sich von den jungen, fremdsprachigen Männern an der Essensausgabe abgeschreckt fühlten.

Die Maßnahme wird bereits seit Mitte Januar umgesetzt. „Seltsamerweise gab es noch keinen Krach, kein Theater.“ Sartor sagte der „BILD“-Zeitung jedoch, dass es sich möglicherweise auch nur um eine Übergangsmaßnahme handeln könnte. „Wir gucken jetzt, wie es funktioniert – und machen es vielleicht in sechs bis acht Wochen wieder rückgängig“, so Sartor.

Vor 25 Jahren wurde die erste Tafel von der Initiative Berliner Frauen e.V. gegründet. Ziel war es, die Lage der Obdachlosen zu verbessern. Heute gibt es knapp 1ooo Tafeln in Deutschland, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Die Empfänger müssen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld erhalten und einen entsprechenden Nachweis besitzen.