Vor sieben Jahren kamen 21 Menschen bei der Loveparade in Duisburg ums Leben. Jetzt beginnt der Prozess. Zehn Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters Lopavent stehen vor Gericht. Es soll geklärt werden, wie es zu dem tragischen Unglück kommen konnte und wer rein im strafrechtlichen Sinne schuldig daran ist. 

Buntes Treiben endet in Tragödie

Am 24. Juli kamen zehntausende Menschen in Duisburg zusammen, um die Loveparade zu feiern. Eine bunte Techno-Party, die schließlich in einer Tragödie mit 21 Toten und 652 Verletzten endete. Weil sich gleichzeitig an dem einzigen Ein- und Ausgang des Geländes zu viele Menschen drängten, wurden 21 Party-Besucher zwischen gerade einmal 17 und 38 Jahren an einer Rampe erdrückt. Etliche andere wurden zu Boden getrampelt. Viele der Besucher leiden noch heute unter den körperlichen und seelischen Folgen des Unglücks.

Vermutlich wird das Verfahren eines der größten der Nachkriegszeit. Aufgrund des enormen Interesses wurde die Hauptverhandlung vom Landgericht Duisburg in die Kongresshalle nach Düsseldorf verlegt. Dort finden 500 Menschen Platz. Die zehn Angeklagten werden durch 30 Verteidiger vertreten. Die 60 Nebenkläger werden von 30 Juristen verteidigt. Außerdem stehen Notfallseelsorger für die Angehörigen und Traumatisierten bereit. 

Viele der Opfer und Angehörigen erhoben nach dem Loveparade-Unglück schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und den Fitnessstudio-Unternehmer Rainer Schaller. Allerdings wurde gegen sie keine Anklage erhoben. Sie treten als Zeugen in dem Prozess auf. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass es keinen Anhaltspunkte dafür gebe, dass die beiden Männer an der fehlerhaften Planung beteiligt gewesen wären, oder sie Einfluss auf die Genehmigung der Veranstaltung gehabt hätten. 

Unglück absehbar gewesen

Stattdessen wird den vier Angeklagten der Lopavent-Firma vorgeworfen, folgenschwere Fehler bei der Planung gemacht zu haben. Vor allem sei die Rampe zu eng gewesen. Die sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg hätten die fehlerhaften Pläne schließlich genehmigt. Die Gefahren seien bereits früh absehbar gewesen. 

Da es aufgrund des Aufwandes der Ermittlungen erst sieben Jahre später zum Prozess kommt, muss das Duisburger Gericht unter einem enormen Zeitdruck arbeiten, da sonst eine Verjährung der Straftaten eintritt. Zuvor vernahmen dreieinhalb Jahre lang 96 Polizisten 3.409 Zeugen und sichteten etwa 1.000 Stunden Video-Material. Im Falle einer Verurteilung droht den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Dadurch entsteht eine Verjährung von fünf Jahren. Allerdings gibt es eine Obergrenze, die der doppelten Zeit des Strafmaßes entspricht. Im Falle des Loveparade-Unglück wären es also zehn Jahre. Derzeit sind 111 Verhandlungstage bis Ende 2018 angesetzt.