Dieser Mord verstört nicht nur Frankreich. Ein mutmaßlicher Islamist hat eine 85-jährige Jüdin in ihrer Sozialwohnung im Pariser Süden erstochen und angezündet. Bizarres Detail: Der 25-jährige Hauptverdächtige war mit seinem Opfer seit seinen Kindertagen bekannt, seine Eltern sollen mit der Holocaust-Überlebenden befreundet gewesen sein. Nun ist Mireille Knoll tot – auf grausamste Art und Weise ermordet. Weil sie Jüdin war. Mehrfach soll die 85-Jährige Morddrohungen gegenüber der Polizei gemeldet haben.

Mutmaßlicher Täter und Komplize festgenommen

Eine Nachbarin hatte am vergangenen Freitag die Feuerwehr alarmiert, als sie den Brand in der Wohnung des Opfers bemerkte. Die Einsatzkräfte erwartete ein schreckliches Bild. Die Leiche der Rentnerin war von Messerstichen durchsiebt und halb verbrannt. Die eingeschaltete Mordkommission verfolgte eine Spur im selben Haus. Der tatverdächtige junge Nachbar und dessen Komplize wurden am Wochenende festgenommen. Beide sitzen in Untersuchungshaft.,

Jüdische Gemeinde ruft zu Gedenkmarsch auf

Vertreter der jüdischen Gemeinde in Paris reagierten schockiert auf das offensichtliche Verbrechen. Großrabbiner Haim Korsia sprach auf Twitter vom „Horror des Verbrechens“ und der „Gewalt der Peiniger“. Der jüdische Dachverband Crif forderte von den Behörden „vollständige Transparenz“ bei der Aufklärung des Falls und rief für Mittwoch zu einem Gedenkmarsch für Mireille Knoll auf.

Macron bekräftigt „absolute Entschlossenheit“ gegen Antisemitismus

Der Vorfall überschnitt sich ausgerechnet mit dem Besuch des französischen Außenministers Jean-Yves Le Drian in Jerusalem. Am Montag sagte er gegenüber Medien, ein judenfeindliches Motiv erscheine „plausibel“. Der Fall zeige auch, wie wichtig der Kampf gegen den Antisemitismus sei.

Eine Einschätzung, die auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilt. Er äußerte sich am Dienstag entsetzt über das „entsetzliche Verbrechen“ und kündigte seine „absolute Entschlossenheit“, gegen Antisemitismus vorzugehen, an.

Mordopfer entging 1942 knapp Nazi-Deportation

Schon einmal sollte ihr Glaube Mireille Knoll zum Verhängnis werden. Im Alter von zehn Jahren entkam sie einer Großrazzia der Nazis gegen rund 13.000 Juden in Paris. Mit ihrer Mutter setzte sie sich 1942 nach Portugal ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte sie in ihre französische Heimat zurück und heiratete einen Holocaust-Überlebenden, wie ihr Sohn nun berichtete.

Ihr Tod rüttelt Frankreich in diesen Tagen auf, erinnert er doch an den antisemitisch motivierten Mord an einer 65-jährigen orthodoxen Jüdin in Paris vor rund einem Jahr.

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