Recep Tayyip Erdogan ist zum Präsidenten der Türkei wiedergewählt worden. Dazu verholfen haben ihm nicht zuletzt auch die türkischstämmigen Wähler aus Deutschland.  Für Cem Özdemir ein Alarmsignal. Denn mit Jubelrufen wie „Recep Erdogan, unser Führer“ würden sie nicht nur die Politik des türkischen Regierungsoberhaupts gutheißen, sondern auch die deutsche verschmähen.

Die feiernden deutsch-türkischen Erdogan-Anhänger jubeln nicht nur ihrem Alleinherrscher zu, sondern drücken damit zugleich ihre Ablehnung unserer liberalen Demokratie aus. Das muss uns alle beschäftigen,

sagte der frühere Grünen-Chef in der Nacht zum Montag.

Am Sonntagabend ließen Erdogan-Anhänger ihrer Freude über das Ergebnis der vorgezogenen Präsidenten- und Parlamentswahlen freien Lauf. Am Breitscheidplatz in Berlin schwenkten mehrere hundert Menschen Fahnen der Türkei und der Regierungspartei AKP. Erdogan-Porträts wurden in die Luft gehalten. Der Kurfürstendamm wurde von Autokorsos quasi überrollt.

Cem Özdemir findet die hohe Zustimmung der Deutsch-Türken für Erdogan zu bedenken, zumal der wiedergewählte Präsident in Deutschland deutlich besser abschnitt als im eigenen Land. Nach Auszählung von fast 80 Prozent der Stimmen in Deutschland besiegte er seinen stärksten Konkurrenten Muharrem Ince von der größten Oppositionspartei CHP mit 65,7 zu 21,5 Prozent um Längen. Gleichwohl fiel das Gesamtergebnis für Erdogan erheblich schwächer aus als bei der letzten Wahl. Laut vorläufigem Ergebnis erzielte er nur noch 52,5 Prozent.

Insgesamt 13 Wahllolake sowie Wahlurnen standen Türken in Deutschland für ihre Stimmabgabe offen. Die Beteiligung war mit 49,7 Prozent der 1.443.585 Wahlberechtigten so hoch wie nie zuvor.