André Poggenburg hat mit seinen rassistischen Äußerungen beim politischen Aschermittwoch in Sachsen eine bundesweite Kritikwelle losgetreten. Dem Druck konnte der Parteivorsitzende und Fraktionsvorsitzende der AfD in Sachsen-Anhalts offenbar nicht mehr standhalten und gab seinen Rücktritt von beiden Ämtern zum 31. März bekannt. In einer persönlichen Erklärung begründete er seine Entscheidung damit, dass „ein enormer medialer Druck aufgebaut“ worden sei.

Doch Poggenburgs Rede soll nur der Gipfel von parteiinterner Unzufriedenheit gewesen sein. Der Graben zwischen der AfD-Spitze und dem 42-Jährigen scheint viel tiefer.

AfD formierte sich innerhalb der Partei gegen Poggenburg

Wie nun an die Öffentlichkeit sickert, hatte man sich innerhalb der AfD bereits gegen Poggenburg formiert. In einer geheimen Abstimmung der AfD-Fraktion im Landtag habe man dem 42-Jährigen kürzlich das Vertrauen entzogen. Nur noch drei Unterstützer sprachen sich für Poggenburg aus, wie die dpa aus Fraktionskreisen erfuhr.

Zwar kassierte Poggenburg für seine Rede in Pirna, in der er in Deutschland lebende Türken als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ beschimpfte, die in Deutschland „nichts zu suchen und nichts zu melden“ hätten eine Abmahnung vom Bundesvorstand. Die entscheidenden Gründe für das Misstrauen liegen aber viel tiefer und sind mit einem gewissen Schema verbunden. So soll die Kommunikation mit Parteifreunden oft nur sehr einseitig gewesen. Er ordnete die Kontakte nach „nutzlos“ und „nützlich“ und war dementsprechend erreichbar.

Innerparteiliche Gegner oder Konkurrenten habe er ständig klein gehalten, indem er ihnen Kompetenzen entzogen haben soll oder gar deren TV-Auftritte verhindert habe. Hinzu kommt der Vorwurf der Vetternwirtschaft, der in AfD-Kreisen nicht gern gesehen ist: So soll Poggenburgs Lebensgefährtin Lisa Lehmann einen Ausbildungsplatz in der Fraktion erhalten haben. An und für sich schon ein Unding, aber erschwerend hinzu kommt, dass auch ihr Vater Mario Lehmann als Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt und im AfD-Fraktionsvorstand sitzt. Die „Lehmann-Festspiele“ hätten Poggenburg wohl auch schon die Wiederwahl in den Bundesvorstand der AfD gekostet.