Das Weiße Haus in Washington kündigte an, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Im Laufe des Tages werde US-Präsident Donald Trump seine Entscheidung bekanntgeben. Im Zuge dessen soll außerdem die US-Botschaft nach Jerusalem verlegt werden. Droht jetzt eine neue Eskalation im Nahost-Konflikt?

Weltweiter Gegenwind

Der Status der Stadt Jerusalem ist seit vielen Jahren einer der umstrittensten Punkte im Nahost-Konflikt. US-Präsident Donald Trump bezieht in dieser Angelegenheit allerdings eine klare Position. Er unterstützt Jerusalem und erkennt es gleichzeitig als Hauptstadt Israels an. Dennoch gibt es zahlreiche Gegenstimmen aus aller Welt, die den 71-Jährigen vor der heiklen Entscheidungen warnen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, er werde im Falle der Anerkennung Jerusalems alle diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen: „Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime.“ Israel lässt sich von den Drohungen der Türkei allerdings nicht beeindrucken. Regierungsvertreter teilten mit: „Jerusalem ist die Hauptstadt des jüdischen Volkes seit mehr als 3000 Jahren und Israels Hauptstadt seit 70 Jahren – ungeachtet dessen, ob sie von Erdogan als solche anerkannt ist oder nicht.“ Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini gab in einem Gespräch mit dem  US-Außenminister Rex Tillerson bekannt, dass der Status Jerusalems „durch Verhandlungen“ gelöst werden müsse. Frankreichs Präsident Macron äußerte ähnliche Bedenken in einem Telefonat mit Donald Trump. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) fordert ebenfalls Verhandlungen und mahnte: „Alles, was sozusagen die Krise verschärft, ist kontraproduktiv in diesen Zeiten.“

Den größten Gegenwind bekommt der US-Präsident aus Saudi-Arabien. Das Land sieht sich als Beschützer aller Muslime auf der Welt und zeigte sich daher „ernsthaft und tief besorgt“. Muslime werden die Anerkennung als Provokation empfinden, warte König Salman in einem Telefongespräch mit Trump.

Botschaftsverlegung wird dauern

Donald Trump werde heute außerdem die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem in Auftrag geben. Allerdings wird dieser Umzug noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen, da der 71-Jährige die Aussetzung eines Gesetzes von 1995, dass Jerusalem als Sitz der Botschaft vorschreibt, nochmals unterzeichnen werde. Die Verlängerung dauert jeweils sechs Monate.