Der muslimische Fastenmonat ist angebrochen: Vom 16. Mai bis zum 14. Juni leben Gläubige nach den Regeln des Ramadans. An Schulen mit vielen Schülern mit Migrationshintergrund sind die Auswirkungen der religiösen Fastenzeit ein zentrales Thema. Doch Lehrer schlagen Alarm. Das strenge Fasten der Kinder habe erhebliche Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit. Der Deutsche Lehrerverband klagt über Unterrichtsprobleme aufgrund des strikten Fastens muslimischer Schüler. Viele Kinder seien dadurch entkräftet.

Sehr viele Schüler nehmen das Fasten inzwischen sehr ernst,

sagte der Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Schwierig werde es vor allem, wenn die religiösen Belange einzelner Schüler alle einschränkten, so der Präsident des Lehrerverbands.

Die Rücksichtnahme wird dadurch erkauft, dass sich Prüfungen für alle Schüler in einem bestimmten Zeitraum massieren – das geht nicht.

Muslimische Eltern fordern von Schulleitungen mehr Rücksichtnahme auf die Schüler während des Ramadans. Prüfungen sollten in dieser Zeit gar nicht stattfinden.

Familienministerin: Wohl der Kinder ist wichtiger

Für Familienministerin Franziska Giffey geht die strenge Auslegung des Ramadan für Schüler zu weit. Die SPD-Politikerin mahnte im „Spiegel“, die Gesundheit und das Wohl der Kinder müssten im Mittelpunkt stehen.

Kinder müssen regelmäßig trinken und essen, sonst können sie nicht mehr aufmerksam dem Unterricht folgen – und manche klappen sogar im Sportunterricht zusammen,

so die Familienministerin.

Religiöses Fasten dürfe die Kinder nicht in ihrer Gesundheit und auch nicht in der Schule einschränken. In der Schule müsse über den Ramadan gesprochen werden, damit die Lehrer Bescheid wüssten, forderte Giffey gegenüber dem Magazin. Es gehe vor allem auch darum, dem Gruppendruck, der häufig unter Schülerinnen und Schülern aufkomme, entgegenzuwirken.

Da darf es keine Diskriminierung geben, egal ob jemand fastet oder nicht,

betonte Giffey.

Während des Fastenmonats dürfen die Gläubigen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht essen oder trinken, nicht rauchen und keinen Geschlechtsverkehr haben. Ausnahmen bestehen für Kranke, Reisende, Kinder und Frauen während der Schwangerschaft oder im Wochenbett. Das Fasten im Ramadan gehört als eine der fünf Säulen des Islam zu den Grundpflichten der Gläubigen.