Nur langsam sickern neue Infos über den neuesten Spionage-Fall in Großbritannien durch. Die Identitäten der Opfer sind nun geklärt. Es handelt sich um den 66 Jahre alten Sergei Skripal. Der ehemalige Offizier des Militärgeheimdienstes GRU war im Jahr 2006 in Russland wegen Hochverrats zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Grund: Skripal soll in den 1990er-Jahren Informationen an die Briten verkauft haben. Im Jahr 2010 wurde er aber frei gelassen und gelangte im Rahmen eines Spionen-Austausches mit der damals „00Sex“-getauften Agentin nach Großbritannien. Seine Begleitung, die ebenfalls vergiftet wurde, ist seine 33-jährige Tochter Julia. Beide schweben in Lebensgefahr.

Zeugenaussagen stimmen überein – Pizzeria im Fokus

Im britischen Salisbury wurden sie am Wochenende in kritischem Zustand auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum gefunden. Nach Medienberichten der BBC soll die Frau bereits das Bewusstsein verloren haben, der Mann bewegte sich noch unkontrolliert bevor auch er bewusstlos wurde. Zwei Zeuginnen, die die Polizei alarmierten, berichteten, dass die Frau bereits ohnmächtig an der Seite des Mannes lag, der wortlos die Hände in den Himmel reckte. Die beiden wurden in die Intensivstation des Krankenhauses eingeliefert.

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Wegen der Vergiftung wurde das Gelände um die Parkbank abgeriegelt und von Spezialisten in Schutzbekleidung gereinigt. Auch die Pizzeria in unmittelbarer Nähe wurde besonders in Augenschein genommen, weil die Opfer dort ihre letzte Mahlzeit zu sich genommen haben. Die Polizei weiß im Augenblick nur, dass das Paar mit „einer unbekannten Substanz“ vergiftet wurde. Auch der britische Geheimdienst ermittelt, weil Skripal lange Zeit für den MI6 in Moskau spionierte.

Verbindung zu einem mysteriösen Fall eines Putin-Gegners?

Obwohl die Polizei in Wiltshire diesen Fall noch nicht als Kriminalfall sieht, kommen Parallelen zu den mysteriösen Todesfällen von ehemaligen russischen Agenten und Putin-Gegnern in Großbritannien auf. Ein Kreml-Sprecher bezeichnete das Schicksal von Skripal als „tragisches Ereignis“ aber wies jede Verwicklung kategorisch zurück. In russischen Regierungskreisen wird vermutet, dass der ehemalige Spion Opfer des britischen Geheimdienstes wurde, um die angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter zu belasten.