Es war kein Glanzauftritt von Martin Schulz auf dem SPD-Parteitag am Donnerstag. In seiner 75 Minuten langen Rede an die Parteigenossen wirkte der Ex-Kanzlerkandidat bemüht, seine Richtung unklar. Für die Wiederwahl zum Parteichef hat es dank 81,9 Prozent der Stimmen gereicht, doch das Vertrauen in den eigenen Reihen bröckelt. Der imposante erste Wahlsieg mit 100 Prozent im März liegt in weiter Ferne. Nach der Schlappe zur Bundestagswahl für die Sozialdemokraten und der krankenden Regierungsbildung bleibt der Weg für Schulz steinig. Rückendeckung bekommt er von sechs ebenfalls gewählten Parteivizes.

Am 19. März habt ihr mich mit 100 Prozent ausgestattet. Das war ein schöner Moment, aber danach kamen auch schwierige Zeiten. Jetzt habt ihr mich mit 81,94 Prozent ausgestattet. Ich wünsche mir, dass auf Grundlage dieses Ergebnisses bessere Zeiten kommen,

wandte sich Schulz an seine Parteigenossen.

Rolle rückwärts Richtung GroKo-Gespräche

Im Zugzwang um die offene Frage nach der anfangs vehement verneinten Neuauflage der GroKo stimmte eine große Mehrheit der Delegierten für ergebnisoffene Gespräche mit der CDU und CSU. Ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angelika Merkel (CDU) und CSU-Chef Horst Seehofer ist bereits für kommende Woche angesetzt.

Wir müssen nicht um jeden Preis regieren, aber wir dürfen auch nicht um jeden Preis nicht regieren wollen. Lasst uns zuerst sehen, welche Inhalte wir durchsetzen können, und lasst uns dann entscheiden, wie wir das tun,

rief Schulz seine Partei zur Verantwortung auf.