Die Staatsanwaltschaft Oldenburg wirft dem 41-Jährigen ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel 97 weitere Mordfälle vor. Nun erhob sie zum dritten Mal Anklage in Zusammenhang mit den Morden an den Krankenhäusern in Delmenhorst und Oldenburg.

Mehrere Medikamente gespritzt

In einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft heißt es dazu: „Dem Angeschuldigten wird vorgeworfen, seinen Opfern verschiedene, jeweils nicht indizierte Medikamente, namentlich Kalium, Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), Sotalex (Wirkstoff Sotalol), Xylocain (Wirkstoff Lidocain) und Cordarex (Wirkstoff Amiodaron) verabreicht zu haben“. Die Medikamente führten bei den Patienten zu Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern und Blutdruckabfall. Högels Sein Antrieb sei pure Langeweile gewesen. Er wollte zudem seine Opfer in eine Krisensituation bringen, um sie anschließend wiederzubeleben. Diese Notfalleinsätze verliehen ihm bei seinen Kollegen den Ruf eines „Rettungs-Rambos“. Damit nahm er den Tod der Patienten „zumindest billigend“ in Kauf.

Der Angeklagte stand bereits 2006 und 2008 wegen versuchten Mordes vor Gericht. Später folgten Verfahren wegen sechs weiterer Morde. Es folgte das lebenslange Berufsverbot und die lebenslange Freiheitsstrafe.

Zuvor hieß es, dass die Anzahl der Morde juristisch keinen Unterschied mache. Doch nun kam auf Druck von Angehörigen das erneute Urteil.

Die Anklage basiert auf den Ermittlungsergebnissen der Soko „Kardio“, die sich seit Ende 2014 der Aufarbeitung des Falls widmet. Sie fanden heraus, dass der erste Mord bereits im Februar 2000 auf der Intensivstation des Klinikums Oldenburg stattfand. Hier trat Högel 1999 seinen Dienst als Pfleger an.

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