Heute beginnen die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Potsdam. Erzieher, Sozialarbeiter, Mitarbeiter von Müllabfuhr, Straßenreinigung, Krankenhäusern, Stadtverwaltungen, Feuerwehrleute und Bundespolizisten stehen im Fokus der Gespräche zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Gewerkschaften fordern mindestens 200 Euro mehr

Die Gewerkschaften ver.di und dbb fordern sechs Prozent mehr Gehalt für die 2,3 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen. „Wir hatten jahrelang Personalabbau, Arbeitsverdichtung, Überalterung und ansteigende Krankenstände. Es ist höchste Zeit, den öffentlichen Dienst wieder attraktiver zu machen“, so der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach. Personalabbau, Arbeitsverdichtung, Überalterung und ansteigende Krankenstände prägten das Bild für den öffentlichen Dienst. „Sechs Prozent, mindestens 200 Euro sind angemessen und maßvoll“, sagte er weiter. Von der Forderung sollen auch Auszubildende und Praktikanten profitieren.

Arbeitgeber finden diese Forderung allerdings problematisch und schwer finanzierbar: „Die kommunale Verschuldung betrage bereits 141 Millionen Euro, der Investitionsrückstand liege bei 126 Milliarden Euro. Auch auf ärmere Kommunen müsse die VKA Rücksicht nehmen.“ In der Spitze läge das Lohnplus bei über elf Prozent“, sagte der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle.

Er warnt außerdem vor möglichen Stellenverlusten: „Ein Beschäftigter, dessen Tätigkeit ausgegliedert oder privatisiert wird, hat nichts von einem Elf-Prozent-Lohnplus. Wir möchten aber alle Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst halten“, erklärte er weiter.

Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di, verteidigte im „ZDF-Morgenmagazin“ die Forderungen: „Wir müssen was tun, um attraktiv zu sein und zu bleiben im öffentlichen Dienst – in einer Zeit steigenden Wettbewerbs um qualifizierte Fachkräfte“, sagte er und verwies auf den Fachkräftemangel.

Wird es zu Warnstreiks kommen?

Beide Fronten sind verhärtet. Bereits bei den letzten Verhandlungen vor zwei Jahren kam es zu massiven Warnstreiks. Erst dann waren Städte, Gemeinden und der Bund bereit, einer Lohnerhöhung von 2,4 Prozent zuzustimmen. Bei den aktuellen Verhandlungen wollen sich die Gewerkschaften nicht so leicht abspeisen lassen. Daher kam es schon vor den Verhandlungen zu Protesten.