Lange wartete man auf eine Reaktion Trumps zu den Belästigungsvorwürfen gegen den Senatskandidaten Roy Moore. Doch anstatt ihn zu diskreditieren, unterstützt die Trump-Regierung nun massiv den umstrittenen Kandidaten. Präsident Donald Trump riskiert damit eine politische Katastrophe.

Unterstützung eines Pädophilen

Bereits Sonntagabend (Ortszeit) kündigte US-Präsident Donald Trump an, dass eine wichtige Woche hinsichtlich der Steuerreform und anderer großer Entscheidungen bevorstehe. Letzteres deutet auf die entscheidende Nachwahl am 12. Dezember in Alabama hin. Dort will der umstrittene Kandidat Roger Moore in den Senat gewählt werden. Dem Republikaner wird von sechs Frauen glaubwürdig vorgeworfen, er habe sie in den Siebziger- und Achtziger Jahren sexuell missbraucht. Eine von ihnen sei damals gerade einmal 14 Jahre alt gewesen.

Donald Trump schwieg lange zu den Vorwürfen. Jetzt wird er zum größten Fürsprecher Moores. Sogar seine Tochter Ivanka Trump stellte sich in der Öffentlichkeit entschieden gegen den ehemaligen Richter und erklärte, dass es für derartige Männer einen „speziellen Platz in der Hölle“ gebe, die sich an Kindern vergingen.

Zwar hat Trump noch nicht direkt zur Wahl Moores aufgerufen, in seinen aktuellen Tweets stellt sich der 71-Jährige allerdings entschieden gegen den Gegenkandidat Doug Jones.

Aufgrund dieser Entscheidung ist das Entsetzen innerhalb der eigenen Partei groß. Die Republikaner sind schockiert, dass ihr Präsident einen mutmaßlichen Kinderschänder unterstützt. Sogar Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat, und Paul Ryan, Chef der Republikaner im Repräsentantenhaus, haben Moore im Rahmen der Vorwürfe zum Rücktritt von seiner Kandidatur aufgefordert. Ohne Erfolg – Moore weigerte sich.

Gründe für die Unterstützung

Donald Trump will durch seine Unterstützung verhindern, dass die Republikaner ihren Sitz im Senat in Alabama nach vielen Jahren an die Demokraten verlieren. Seine Partei würde dadurch nur noch eine Mehrheit von einem Sitz im Senat haben und dadurch könnte Trumps Prestigeprojekt, die große Steuerreform, scheitern. Allerdings könnten sich zahlreiche Senatoren dennoch gegen den Präsidenten stellen und bei wichtigen Abstimmungen gegen ihn stimmen.

Sollte Moore dennoch in den Senat gewählt werden, wollen etliche Senatoren Moore den Sitz verweigern. Die Streitigkeiten dürften dadurch noch bis in das nächste Jahr andauern.