Seit einem Jahr sitzt der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel in türkischer Untersuchungshaft. Ohne Anklage, ohne Bewegung. Einige Bundestagsabgeordnete sprechen derweil von der „Geisel Yücel“. Nun soll endlich Bewegung in den Fall kommen, der die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei seither belastet. Doch wie glaubhaft sind die türkischen Versprechungen?

Türkischer Ministerpräsident schürt Hoffnung

Kurz vor dem geplanten Treffen mit Angela Merkel in Berlin am Donnerstag meldete sich Binali Yildirim in der Yücel-Angelegenheit zu Wort. Er hoffe auf eine baldige Freilassung des deutschen Journalisten, sagte der türkische Ministerpräsident in einem Interview für die ARD-„Tagesthemen“. Allerdings bestritt Yildirim im gleichen Atemzug jegliche Willkür des Staates. Nicht die türkische Regierung entscheide über Schuld und Unschuld, sondern die Justiz.

Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird,

bekräftigte Yildirim.

Haft ohne Anklageschrift

Die Familie von Deniz Yücel ist entsetzt über das Ausmaß seiner Verhaftung. Vor einem Jahr hatte sich der inzwischen 44-Jährige der Polizei in Istanbul gestellt. Staatspräsident Erdogan nannte den Korrespondenten einen Spion und Terroristen. Seitdem sollen Staatsanwälte und Juristen den Fall brachliegen lassen. Ein Stillstand den Dilek Yücel nicht akzeptieren kann. Die Ehefrau des Inhaftierten twittert regelmäßig gegen die ungerechte Inhaftierung ihres Mannes an.

Die Freilassung der Journalistin Mesale Tolu und des Menschenrechtlers Peter Steudtner aus dem Gefängnis Silivri Ende des Jahres 2017 legte auch Yücels Freilassung nahe.