Damit hatte die Kanzlerin nicht gerechnet. Im sächsischen Annaberg-Buchholz geriet ihr Wahlkampfauftritt zum Fiasko. Statt Applaus schlug ihr ein gellendes Pfeifkonzert entgegen, statt Zuspruch erntete sie „Hau ab“-Rufe.

Unter den Besuchern fanden sich am Donnerstag, den 17. August 2017 auch etwa 150 Menschen aus dem Umfeld der Pegida-Bewegung auf dem Marktplatz der sächsischen Kleinstadt ein, um Merkel einen denkwürdigen Empfang zu bereiten. Mitgebrachte Plakate mit Sprüchen wie „Merkels DDR 2.0“, „Volksverräter“ oder „Nicht meine Kanzlerin“ säumten das Publikum. Die Polizei erteilte gleich mehrere Platzverweise, darunter für das Zeigen des Hitlergrußes, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Ein Mann äußerte sich gegenüber „Freie Presse“ aus Chemnitz so: „Merkel soll endlich mal wieder ihr Volk wahrnehmen.“ Eine CDU-Sympathisantin fiel zu den massiven Beleidigungen nur eins ein: „Ich habe mich ein Stück weit für diese Leute geschämt. Das ist keine politische Kultur.

Angela Merkel reagiert gelassen

Bei ihrem Auftritt in Annaberg-Buchholz wurde die Kanzlerin von einem starken Aufgebot an Sicherheitskräften geschützt. Auf die Vorkommnisse währenddessen reagiert sie gelassen und verteidigt ihre Flüchtlingspolitik:

Manche können nur schreien, manche wollen etwas bewegen, andere rufen nur. […] Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, Menschen zu helfen, die in Not sind. Das war ein gutes Stück Deutschland in einer humanitären Notlage.

Ein Jahr wie 2015 dürfe sich aber nicht wiederholen, betont sie. Allerdings sei es nicht die Politik der Union, eine Gruppe gegen die andere auszuspielen. „Wir unterscheiden nicht, sondern wir akzeptieren auch Unterschiede.