Der Pharmahersteller Roche sorgt derzeit mit einem neuen Medikament gegen Multiple Sklerose für Wirbel. Leider nicht, weil es den lang erhofften medizinischen Durchbruch im Kampf gegen die Nervenkrankenheit markiert, es ist der Preis, der die Krankenkassen und Patienten wütend macht.

Immense Preiserhöhung

Bisher wurden die Patienten mit „Rituximab“, ursprünglich auch aus dem Hause Roche, behandelt und das schon seit 20 Jahren. Es gilt als sehr erfolgreich und ist nahezu frei von Nebenwirkungen. Die Behandlung eines MS-Patienten mit dem Mittel kostete rund 3000 Euro. Und jetzt kommt die Farce. Roche preist derzeit ein neues Medikament mit dem Wirkstoff „Ocrelizumab“ an und berichtet von einem „Lichtblick bei MS“. Eine Jahresdosis kostet allerdings schlappe 33.000 Euro. Und die Ärzte sind bald gezwungen, ausschließlich das neue Medikament zu verschreiben.

„Rituximab“ wurde ursprünglich von Roche entwickelt und Krebspatienten verabreicht. Als sich herausstellte, dass die Substanz auch bei MS wirksam ist, hat sich der Pharmakonzern allerdings nie um eine formelle Zulassung bei den Behörden gekümmert. Auch wenn Behandlungen mit „Rituximab“ als sehr vielversprechend galten, lief das Patent aus und Roche hatte fortan nicht mehr das Preismonopol inne. Daher arbeiteten sie an einem neuen ähnlichen Wirkstoff und brachten ihn auf den Markt – zu einem deutlich höheren Preis.

Staat soll eingreifen

Auf Nachfrage des ARD-Politikmagazin „Kontraste“ erklärt der Pharmakonzern: „Das neue Medikament sei bei beiden Formen der MS als erstes Medikament nachweislich wirksam. Man habe sich auf die Entwicklung von ‚Ocrelizumb‘ konzentriert, weil dieser Wirkstoff für eine Langzeitanwendung bei der MS wirksamer und verträglicher sei. Da es sich um einen ‚humanisierten Antikörper‘ handele, bestehe potenziell eine ‚bessere Verträglichkeit‘ mit dem menschlichen Immunsystem. Auch gebe es „weniger Infusionsreaktionen.“ Der Münchner MS-Spezialist Bernhard Hemmer hat an dieser Erklärung allerdings seine Zweifel, da die Wirkung der Medikamente vergleichbar sei.

Friedemann Paul von der Charité in Berlin fordert nun ein Handeln des Gesetzgebers. Demnach solle eine Studie den alten mit dem neuen Wirkstoff vergleichen. Sollte sich herausstellen, dass beide gleich wirksam sind, dann sollen Krankenkassen und Ärzte die Möglichkeit bekommen, das günstigere Medikament zu verschreiben.