Ashley Grimm aus Idaho hat wohl das Schlimmste erlebt, was man sich als Eltern vorstellen kann: sie verlor ihren geliebten Sohn Titus (4) bei einem Autounfall. Nun richtet sie ihre Worte an alle Mamas und Papas da draußen, in dem sie auf sehr ehrliche und direkte Weise an sie appelliert und damit ein sehr empfindliches Thema anspricht:

Meine schlimmsten Ängste haben sich erfüllt.

 

„Wie einige von euch wissen haben sich für mich die schlimmsten Ängste jeder Mutter erfüllt. Am 2. Juni habe ich meinen jüngsten Sohn in einem furchtbaren Autounfall verloren. Ich bin gefahren. Ich war gerade aus einer Tankstelle raus, hatte alle Gurte noch einmal überprüft und fuhr die kurvige, bergige Strecke zu unserem Haus. Mein Sohn war berüchtigt dafür, dass er alles tat, um seinen Gurt im Auto zu lösen („Der Flash trägt keinen Anschnallgurt, und ich bin der Flash, Mama!“)

Wir hatten alle Arten von Gurt, Kindersitz, Sitzerhöhung und sogar Kabelbinder probiert (wohl auch eher nicht so sicher), aber für ihn war das immer wieder eine Superhelden-Aufgabe, den Gurt aufzumachen. Er war ein Superheld, weil er es immer wieder hinkriegte. Durchschnittlich musste ich pro Autofahrt drei- bis viermal rechts ranfahren, um ihn wieder anzuschnallen.

 

Mein Sohn war sofort tot

 

Wir waren nur noch fünf Minuten vom Ziel entfernt, als ein großer Felsbrocken plötzlich in meine Spur rollte. Ich hatte drei Möglichkeiten: Versuchen über den Felsbrocken zu fahren, in den Gegenverkehr auszuweichen (eine Kurve mit Überholverbot und tosendem Fluß auf der anderen Seite). Felsbrocken, Kollision mit Gegenverkehr oder in den Fluß? Ich entschied mich für den Felsen. Das war die falsche Entscheidung. Und ja, er hatte sich da schon mit seinem achtjährigem Bruder abgeschnallt (sie hatten heimlich die Plätze getauscht).

Der Gesteinsbrocken traf meine Achse und schleuderte uns in eine steile Felswand. Unser Kleinbus überschlug sich und mein Sohn war sofort tot. All unsere Leben wurden in einem kurzen Augenblick in Stücke gerissen. Der kleine Junge, der mein Ein und Alles war, wurde brutal innerhalb von Sekunden von mir genommen.

Er musste keine Schmerzen leiden.

 

Ich erinnere mich noch, wie ich eingequetscht zwischen dem Armaturenbrett (der Airbag ging nicht los) und unserem drei Tonnen schwerem Bus lag. Überall war Blut. Ich kämpfte und kämpfte und verlor schließlich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, befreite ich mein Baby aus ihrer Autositz-Schale (sie hing kopfüber) und machte mich daran, jedes der Kinder (5 von ihnen waren bei mir) aus dem Bus zu bekommen.

Als ich bei Titus ankam, arbeitete ich mit aller Kraft daran, den schweren Bus von seinem kleinen Körper runterzuheben. Mein achtjähriger Sohn versuchte, mir zu helfen. Ich konnte nur die untere Hälfte seines Körpers sehen. Ich massierte seinen Bauch und versuchte sanft, ihn wiederzubeleben. Aber er war schon tot. Es war schnell gegangen, was mir nur den Trost verschafft, dass er keine Schmerzen erleiden musste.

 

Das Schlimmste waren die Facebook-Kommentare

 

Alles danach ist ein Durcheinander in meinem Kopf. Ich lehnte jede Hilfe der Notärzte ab, bis sie mich mein totes Kind halten ließen. Alle meine Kinder wurden weggebracht und in Krankenwagen versorgt. Ich wurde festgeschnallt und mit Beruhigungsmitteln versorgt, weil ich durch den Schock völlig außer mir war.

Erst zwei Tage später sah ich es dann überall auf Facebook. Ein Nachrichtenclip, der so selbstverständlich über den Tod meines Kindes berichtete, als würden sie über einen Wetterumschwung oder die Entdeckung eines neuen Planeten reden. Ich war dankbar, dass sie sagten, dass keine Drogen oder Alkohol im Spiel waren.

Aber das war nicht das, was weh tat. Die User schrieben die schrecklichsten Dinge darüber in die Kommentare, was für eine furchtbare Mutter ich wäre. Wie sehr ich das alles verdiente. Dass meine Kinder weggenommen gehörten. Ich wollte sie schlagen und schütteln. Ihnen sagen, wie dicht wir dran waren, wie sehr ich darum gekämpft hatte, dass er sicher bleibt. Dass wir einen speziellen Gute-Nacht-Kuss hatten und einen Abend pro Woche bei McDonald’s als Belohnung. Ich wollte schreien, dass er mir immer gesagt hatte, dass er mich mal heiraten wollte, dass ich die beste Mama überhaupt war. Dass er mir Schiffe aus Lego gebaut hatte, und in meinem Bett seinen Mittagschlaf hielt, während er mit seinen kleinen Grübchen-Fingern meine Hand hielt.

Ich habe meinen toten Sohn im Arm gehalten.

 

Aber das hätte sowieso niemand hören wollen. Ich habe das Bedürfnis, das hier all euch Müttern zu schreiben, denn ich möchte jeder von euch ins Auge gucken und euch sagen: „Haltet eure Babys fest“. Das ist alles, was ich in die Welt schreien möchte.

Ich bin nicht mehr die, die ich mal war. Tod und Abschied verändern einen Menschen durch und durch.

Ich habe den toten Körper meines Sohnes mitten auf der Straße im Arm gehalten während ich ihn hin und her wiegte, und Gott angeschrien – nein, befohlen habe, ihn mir wiederzugeben.

Ich habe die Grabstätte meines vierjährigen Sohnes ausgesucht, während ich darüber nachdachte, mich von dem Cliff über dem Friedhof zu stürzen, so dass ich dort sein könnte, wo er ist.

Ich habe für 200 Dollar ein Superhelden-Kostüm für meinen Sohn gekauft, das er tragen kann, während sein Körper verwest.

Ich habe einen Leichnam immer und immer wieder geküsst und geweint, als ich mit den Händen über jede Stelle seines eiskalten Gesichtes ging und seine Hände hielt, die noch ihre Grübchen, aber kein Leben hatten.

Ich habe auf einem Friedhof geschlafen, nur um zu versuchen noch einen einzigen Mittagsschlaf mit ihm halten zu können. Ich rede mit der Erde. Der Erde, in der er liegt, mit seiner Kuscheldecke und seinem Superhelden-Kostüm.

Sag deinen Kindern, dass du sie liebst

 

Und was ich sagen möchte (wenn du bis hier gelesen hast, bist du sehr geduldig und wohlwollend) ist das hier, und du kannst es mit jeder Mama teilen, die du kennst.

Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, wie du denkst, dass die Portion Brokkoli beim Abendessen wirklich aufgegessen wird. Schau zu, wie deine Kinder essen, sauge ihren Hass auf Mais in dich auf (oh, wie sehr Titus Mais gehasst hat). Vielleicht können sie trotzdem eine Portion Eis haben – vielleicht nur manchmal – obwohl noch ein bisschen Gemüse auf dem Teller übrig ist.

Lerne mitzuspielen. Geh in ihre Welt. Lerne es, ihre Videospiele mit ihnen zu spielen. Lerne ihre wundervolle, sprunghafte Fantasie zu schätzen. Lass sie wirklich glauben, dass sie Captain America sind, oder Königin Elsa. Versetze dich in sie hinein, lerne, wie sie so ticken. Das dreckige Geschirr läuft dir nicht weg.

Nimm jeden Kuss und jede Umarmung, die sie dir anbieten mit – selbst Nummer 25, die sie nur nutzen, um noch einen Augenblick länger aufzubleiben. Und drücke sie fest an dich.

Halte inne und gucke dir die Käfer, die Steine, die Stücke und den Sonnenuntergang an. Langsamer, Mama, langsamer!

Sag ihnen, dass du sie liebst. Aber schau ihnen in die Augen und sage es so, dass du es ernst meinst. Erzähle ihnen, dass sie alles erreichen können – alles, was sie sich vornehmen.

Ja, wir müssen sie manchmal maßregeln, aber manchmal ist Gnade die bessere Antwort. Vielleicht, ganz vielleicht, wird es ihr Leben nicht zerstören, wenn wir mal milde sind.

Urteile niemals über eine andere Mama. Wir wissen nicht alles, was bei ihr passiert. Wir wissen es nicht, wirklich nicht.

 

Mamas, drückt eure Kinder fest an euch!

 

Gehe, und drücke jetzt deine Babys an dich. Nimm ihren Geruch auf, schau dir das unschuldige Funkeln in ihren Augen an, das irgendwo zwischen Kindheit und Erwachsensein verloren geht. Spüre es bewusst, wie sie dich drücken. Lege dein Telefon weg und schau sie dir durch deine Augen an, nicht das Objektiv deiner Kamera. Erinnere dich an das Gefühl ihres Kopfes auf deiner Schulter, ihre Hand in deiner, ihre dicken Schmatzer auf deine Wangen. Verwöhne sie noch einmal. Schlaf ist überbewertet. Höre dir noch fünf Minuten länger an, was sie über Star Wars, Minecraft oder Disney-Prinzessinnen zu sagen haben.

Mamas, drückt eure Kinder fest an euch. Ihr seid so gesegnet, dass euch derart einmalige, wundervolle, kleine Menschen anvertraut wurden.

Von meinem Herzen zu euren

Ashley“