Fröstelnde Stars und politische Appelle am Potsdamer Platz – Die gestrige Eröffnung der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin stand wie erwartet im Zeichen der #MeToo-Debatte. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick hatte 1.600 Gäste in die Hauptstadt geladen, um den zehntägigen Kino-Marathon in Berlin mit einer glänzenden Gala gebührend zu feiern. Ihm zur Seite standen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Jury-Präsident Tom Tykwer. Durch den Abend moderierte wie gewohnt die charmante Anke Engelke mit typisch zynischen Pointen.

Den filmischen Auftakt lieferte mit Wes Andersons Weltpremiere „Isle of Dogs – Ataris Reise“ erstmalig ein Animationsfilm. Seine hochkarätige Besetzung hatte der Kult-Regisseur natürlich im Schlepptau. Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton, Bill Murray, Bryan Cranston, Jeff Goldblum, Kayo Rankin und Greta Gerwig, deren Regie-Debüt „Lady Bird“ für fünf Oscars nominiert ist, liehen den Film-Charakteren ihre Stimmen.

Neben weiteren internationalen Filmstars wie Helen Mirren, Elle Fanning und Patricia Clarkson zeigte auch die deutschsprachige Filmriege Gesicht in Berlin. Mario Adorf, Iris Berben, Senta Berger, Heike Makatsch, Jessica Schwarz, Meret Becker, Daniel Brühl, Moritz Bleibtreu, Wotan Wilke Möhring, Jessica Schwarz, Christiane Paul, Frederick Lau und Jasmin Tabatabai ließen sich die große Gala nicht entgehen.

Vier deutsche Beiträge im Wettbewerb

Der diesjährige Wettbewerb zeigt 24 Filme, von denen 19 um den Goldenen Bären und die Silbernen Bären konkurrieren. Die restlichen fünf Beiträge laufen außerhalb der Konkurrenz. Vier deutsche Filme dürfen sich Hoffnungen auf einen Bären machen, darunter das Flüchtlingsdrama „Transit“ von Christian Petzold und „In den Gängen“ von Thomas Stuber. Philip Gröning erzählt in „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ von den Zwillingen Elena (Julia Zange) und Robert (Josef Mattes). Die deutsch-französisch-iranische Regisseurin Emily Atef thematisiert in „3 Tage in Quiberon“das letzte Interview mit Weltstar Romy Schneider.

Grütters und Müller fordern Konsequenzen aus #MeToo-Debatte

Der glanzvolle Eröffnungsabend feierte jedoch nicht nur seine Stars. In die Reden mischten sich auch durchaus politische Appelle. Angetrieben von der international geführten #MeToo-Debatte“, die längst die deutsche Film-Branche erreicht hat, betonte Kulturstaatsministerin Grütters:

„Die Freiheit der Kunst darf nicht unter denen leiden, die im Namen der Kunst Macht missbrauchen. Es ist gut, dass damit Schluss gemacht wird und dass sich nun vermehrt Frauen und auch Männer zur Wehr setzen.“

Gerade der Filmkunst gelinge es, „den Blick für die Wirklichkeit zu schärfen und überholte Rollenbilder – und auch Weltbilder – ins Wanken zu bringen“.

Berlins Regierender Bürgermeister Müller nannte in seiner Rede als Ziel, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Grenzen des Gegenübers respektiert werden. „Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Form der Diskriminierung gehen uns alle an“, erklärte Müller.

Kosslick setzt sich für Yücel und Senzow ein

Auch Festivaldirektor Dieter Kosslick ließ es sich nicht nehmen, die Berlinale-Bühne für politische Zwecke zu nutzen. Er machte sich für den Journalisten Deniz Yücel stark, der seit einem Jahr in der Türkei in Haft sitzt. Außerdem erinnerte er an den inhaftierten ukrainischen Regisseur Oleg Senzow. „Ich hoffe, wir können erreichen, dass sie bald frei sein werden“, sagte er am Donnerstagabend.