Ist das die medizinische Sensation oder hat es vielleicht doch gar keine Bedeutung? Ärzte haben ein drittes Gefäßsystem entdeckt, das von großer medizinischer Bedeutung sein könnte. In der New York University School of Medicine untersuchten Spezialisten den Gallengang eines Patienten mit einer modernen endoskopischen Mikroskopie-Methode und fanden etwas, das sie aus keinem Anatomiebuch kannten: Eine Art Netzwerk flüssigkeitsgefüllter Kammern. Dieses Gewebe, bisher als „Interstitium“ bekannt, was nichts anderes als „Zwischenraum“ heißt, scheint nun deutlich mehr zu sein, als nur ein irgendwie mit Zellen und Proteinen aufgefüllter Bereich zwischen den Organen.

Drittes Gefäßsystem neben Blut- und Lymphbahnen

Neil Theise und seine Kollegen aus New York haben sich nach dieser Untersuchung weiter mit dem Thema befasst und es haben es fast in jedem Bindegewebe wiedergefunden. Im Fachblatt „Scientific Reports“ schreiben sie, dass dort unter anderem große Anteile der Lymphe entstehen könnten. Auch die körpereigene Abwehr, den Schutz von Organen vor mechanischem Stress und für Alterungsprozesse sollen durch das neue Organ unterstützt werden. Trotzdem ist das System für die Ärzte ein eigenständiges Organ.

Welche Funktionen sie tatsächlich übernehmen, müsse jetzt intensiv untersucht werden. „Aber wenn sich das bestätigt, dann haben wir hier eine bislang unbekannte Straße durch den Körper, also neben Blut- und Lymphbahnen ein drittes Gefäßsystem“, sagt Michael Zeisberg, Experte für das Interstitium an der Uniklinik Göttingen.