Die antirussische Front der US-Regierung scheint groß. Allen voran Nikki Haley. Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen ist aktuell die außenpolitische Stimme der USA, zumindest solange Ex-CIA-Direktor Mike Pompeo noch nicht vom Senat als neuer Außenminister bestätigt wurde. Haley war es auch, die nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma durch das syrische Regime und seine Verbündeten weitere Sanktionen gegen Russland ankündigte:

Finanzminister Mnuchin wird am Montag weitere Russland-Sanktionen verkünden. Die richten sich direkt gegen Unternehmen, die mit Assad und seinen Chemiewaffen Geschäfte machen.

Eine harte Linie, die Trump trotz aller Widerstände im Weißen Haus nicht unterstützt. Wie am Dienstag bekannt wurde, hat Trump weitere Sanktionen gegen Russland auf unbestimmte Zeit gestoppt. Bereits gestern relativierte seine Sprecherin Sarah Huckabee Sanders die Sanktionsdrohungen von Haley. Zusätzliche Sanktionen würden noch geprüft werden. Laut „Washington Post“ sei der Präsident nun jedoch vollends „auf die Bremse getreten“.

Weißes Haus blockiert Trumps Annäherungspolitik

Bereits nach der Ausweisung von 60 russischen Diplomaten aus den USA als Reaktion auf den Giftanschlag von Salisbury soll Trump außer sich gewesen sein. Hätte er gewusst, dass Deutschland und Frankreich nur jeweils vier russische Diplomaten nach Hause schicken, hätte er niemals 60 ausgewiesen, erfuhr die „Washington Post“ aus Regierungskreisen.

Seiner Annäherungspolitik zu Russland werde einfach keine Chance gegeben, wurde Trump zitiert. Eine Position, die der US-Präsident schon in der Vergangenheit öffentlich andeutete:

Ich glaube, ich könnte ein sehr gutes Verhältnis mit Russland und Präsident Putin haben. Und wenn es so wäre, wäre dies großartig. Aber es ist auch gut möglich, dass dies nicht passieren wird.

Ende März soll Trump den russischen Präsidenten während eines Telefonats ins Weiße Haus eingeladen haben. Dieser Alleingang des US-Präsidenten wurde von seinen außenpolitischen Beratern abgeschmettert. Sowohl der neue Nationale Sicherheitsberater John Bolton als auch der designierte Außenminister Mike Pompeo sprachen sich gegen einen baldigen Putin-Besuch aus.

Lässt sich Trump erpressen?

Die jüngsten Warnungen vor russischen Cyberattacken bestärken die Russland-Skepsis bei der Mehrzahl der Kongressabgeordneten nur. Umso lauter wird die Forderung an Trump gegenüber Russland mehr Härte zu zeigen. FBI-Chef James Comey behauptete kürzlich gegenüber dem Sender ABC:

Selbst bei internen Besprechungen wollte er Putin nicht kritisieren. Sogar im Oval Office hat Trump argumentiert: Bei uns gibt es doch die gleichen Killer wie Putins Schergen.

Wie viele Trump Kritiker stellt Comey die Frage, ob sich Trump vor seiner Wahl zum Präsidenten in Moskau erpressbar gemacht hat.

Sind es mögliche Aktivitäten in einem Hotelzimmer in Moskau? Oder Finanzgeschäfte? Ich sage nicht, dass es wahrscheinlich ist. Aber ganz ehrlich: ich muss sagen, es ist möglich,

so Comey.