Alexander Gerst (42) startete am Mittwochmittag zusammen mit zwei Astronauten-Kollegen ins Weltall. Ziel ist die Internationale Raumstation. Dort werden die drei in den nächsten sechs Monaten leben und forschen. Nun haben sie die ISS erreicht.

Am Mittwoch um 13:12 Uhr (MESZ) starteten Alexander Gerst, die US-Ärztin Serena Auñón-Chancellor und der russische Kampfpilot Sergej Prokopjew mit einer Sojus-Rakete vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins Weltall. Für Gerst ist es die zweite Mission. Der 42-Jährige verbrachte bereits vor vier Jahren sechs Monate als Bordingenieur auf der ISS. Doch dieses Mal – und das ist eine Premiere in der deutschen Raumfahrtgeschichte – wird er die Hälfte der Zeit das Kommando auf der Raumstation übernehmen.

Erstaunlich entspannt: Gerst, Prokopjew und Auñón-Chancellor winken nach dem Verlassen des Kosmonauten-Hotels. ©Gettyimages

Bis zum Start lag ein straffer Zeitplan vor der Crew. Am Morgen verließen sie das Kosmonauten-Hotel in Baikonur und zogen dann im Gebäude 254 ihre Raumanzüge an. Hinter einer Glasscheibe verabschiedeten sie sich von ihrer Familie und ihren Freunden und wurden mit einem Bus zur Sojus gebracht. Um 10:46 Uhr sind sie an Bord der Kapsel gegangen. Um 12:34 Uhr begann die letzte technische Kontrolle der Raumanzüge, bevor die Rakete um 13:12 Uhr ins All startete. Zwei Tage dauerte der Flug zur ISS. Gerst und seine Crew-Mitglieder haben dabei 34-Mal die Erde umrundet. Am Freitag um 15:07 Uhr dockte die Kapsel an der ISS an.

Teil der Mission „Horizon“ sind rund 300 Experimente, unter anderem 41 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ebenfalls mit an Bord: „Comin“. Ein kugelförmiger Roboter, der den Astronauten in Zukunft das Leben im All erleichtern soll. Er dokumentiert die Arbeit, speichert Forschungsergebnisse, oder spielt einfach nur Musik ab. Per Sprachsteuerung soll es der Crew außerdem möglich sein, mit der Bodenstation zu kommunizieren.

Eindrucksvoll: Mit dieser Rakete starteten die drei Astronauten ins Weltall. ©Gettyimages

Zum strengen Zeitplan gehörten allerdings auch teils bizarre Rituale, die alle Astronauten vor ihrem Start absolvieren.

Dazu zählen:

  • Sie besuchen das Gagarin-Haus in Baikonur (dort soll der erste Mensch im Weltall vor dem Start geschlafen haben).
  • Jeder Astronaut darf vor seinem Abflug ein Bäumchen in der „Allee der Kosmonauten“ pflanzen.
  • Beim Verlassen des Hotels signiert jeder seine Zimmertür.
  • Kein Astronaut darf dabei sein, wenn die Rakete von der Werkstatt zum Startplatz gebracht wird.
  • Der Bus, der sie zum Boarding bringt, macht unterwegs Halt in der kasachischen Steppe. Die männlichen Astronauten pinkeln dann gegen die Reifen.
  • Vor dem Start wird die Rakete von einem russisch-orthodoxen Priester mit Weihwasser gesegnet.
  • Die letzte Tradition: Ob die Kapsel die Schwerelosigkeit erreicht hat, stellen die Astronauten mit einem Spielzeug fest.

Vor allem aber freuen sich die Fans und Follower von Alexander Gerst auf knackige Sprüche und interessante Einblicke aus dem Leben auf der ISS. Wie kein anderer Raumfahrer zuvor teilte Gerst seine Eindrücke in den sozialen Netzwerken und bringt den Menschen auf der Erde die knapp 400 km entfernte Raumstation ein kleines bisschen näher.