Nun ist es amtlich! Carles Puigdemont wird am Freitag aus der Justizvollzugsanstalt Neumünster entlassen. Das ordnete die Generalstaatsanwaltschaft von Schleswig-Holstein mit sofortiger Wirkung an. Zehn Tage lang saß der katalanische Separatistenführer ein. Erst gestern hatte das schleswig-holsteinische Oberlandesgericht eine Auslieferung Puigdemonts an Spanien wegen des Vorwurfs der Untreue gebilligt, allerdings unter der Auflage einer Kaution von 75.000 Euro ausgesetzt.

Den hauptsächlichen Vorwurf der Rebellion gegen Puigdemont seitens der spanischen Justiz konnte das Oberlandesgericht nach Prüfung sämtlicher Unterlagen nicht stützen. Madrid reagierte auf die Entscheidung in Schleswig-Holstein enttäuscht:

Einige Justizentscheidungen gefallen uns besser, andere weniger,

sagte Justizminister Rafael Catalá. Justizentscheidungen seien aber zu akzeptieren. Über die Möglichkeit eines Einspruchs müsse die deutsche Staatsanwaltschaft entscheiden.

Am 25. März wurde Puigdemont auf dem Weg von Dänemark nach Belgien auf einer Autobahnraststätte an der A7 in Schleswig-Holstein festgenommen. Im Zuge der spanischen Ermittlungen wurde gegen den 55-Jährigen der Europäische Haftbefehl wegen Rebellion im Zusammenhang mit dem Unabhängigkeitsreferendum vom Oktober 2017 erlassen. Seitdem sitzt Puigdemont in der Justizvollzugsanstalt Neumünster.

Deutsche mehrheitlich gegen Auslieferung

Mit 51 Prozent haben sich die Deutschen im Rahmen einer Civey-Umfrage gegen die Auslieferung des ehemaligen Katalanischen Präsidenten ausgesprochen. 35 Prozent stimmten dafür und 14 mit unentschieden. Unter den Anhängern der Linken gab es die größte Ablehnung – 71 Prozent stimmten gegen die Auslieferung. Bei der AfD waren es 66 Prozent. Die Erhebung wurde von der „WELT“ in Auftrag gegeben.

Barcelona: Demonstration gegen Festnahme von Puigdemont

In Barcelona demonstrierten mehr als 50.000 Menschen gegen die Festnahme Puigdemonts. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden über 90 Menschen verletzt. Die Polizei setzte sich gegen die Demonstranten mit Schlagstöcken und Warnschüssen zur Wehr. Mindestens vier Menschen wurden bei den Ausschreitungen festgenommen. Auch bei Protesten in den katalanischen Städten Lleida und Tarragona gab es mehrere Verletzte.