Zuerst die gute Nachricht: Die kälteste Nacht des Jahres liegt hinter uns. Aber trotzdem hat Hoch „Hartmut“ Deutschland weiterhin fest im Griff. Eisige Temperaturen, Frost und die Nachwehen der heftigen Schneefälle vom Dienstag sorgen für Chaos auf den Straßen. Zahlreiche Unfälle halten Polizei und Rettungskräfte in Atem, Behörden und Helfer kümmern sich um Obdachlose. In der Nacht fielen die Temperaturen an der Ostsee auf minus 13 Grad und auf der Zugspitze auf minus 24 Grad. Auf der Deutschlands höchstem Punkt wurden am Dienstag sogar -30,5 Grad gemessen – so kalt war es dort 100 Jahre nicht mehr! Aber die eisigen Temperaturen forderten in diesem Winter deutschlandweit schon vier Todesfälle.

Rekordtemperaturen besonders für Wohnungslose tödlich

Die vergangene Nacht war rekordverdächtig, nicht jemals, aber in diesem Winter. Keine Nacht war und wird nach diesem Winter kälter gewesen sein, und das einen Tag vor dem meteorologischen Frühlingsanfang.

Die kalten Temperaturen sind vor allem für Obdachlose ein Problem. In Berlin richtete Sozialsenatorin Elke Breitenbach hunderte zusätzliche Notfallschlafplätze ein. Die Behörden appellieren nun an die Vernunft und die Hilfsbereitschaft der Menschen, denn nur wer hinsieht, kann Leben retten. Meist genügt ein Anruf bei der Notrufzentrale oder bei einer der zahlreichen Hilfstelefone für Obdachlose. Insgesamt sind in Deutschland etwa 860.000 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Das geht aus den aktuellsten Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hervor.

Obdachloser liegt bei Kälte vor Bankfiliale
Ein Anruf genügt und kann Menschenleben retten. Foto: dpa/Henning Kaiser

Von Westen her wird es laut DWD in den kommenden Tagen langsam wärmer. Am Wochenende besteht dann im Süden und Westen aber nochmal Glättegefahr, denn hier fällt vereinzelt gefrierender Regen.

Zurzeit ist es in Deutschland sogar kälter als in Teilen Grönlands! An der Ostküste Grönlands, in Ittoqqortoormiit, fielen die Temperaturen zum Beispiel auf nur minus 4,6 Grad. Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net erklärt es folgendermaßen: „Die Kaltluft hat sich verlagert und liegt nun eher über Skandinavien, weiten Teilen Sibiriens, Russlands und eben auch Mitteleuropas. Dadurch konnte natürlich auf der anderen Seite die wärmere Luft bis nach Grönland vorstoßen.“

Insgesamt war der Winter 2017/2018 aber hierzulande vergleichsweise mild. Die Durchschnittstemperatur betrug 1,6 Grad und lag damit 1,4 Grad über dem langjährigen Mittelwert, teilte der DWD am Dienstag mit. Nur der Februar konnte wirklich mit Winterwetter aufwarten.