UPDATE: Der am Donnerstag festgenommene 23-jährige Togolese sitzt nun in Abschiebehaft in Pforzheim. Das bestätigte das Innenministerium Baden-Württemberg am Freitag. Von dort aus soll der Mann nach Italien gebracht werden. Dort kam er das erste Mal in die EU. Zunächst müssen die Behörden in Deutschland allerdings die italienischen Behörden informieren. Die Zehn-Tage-Frist läuft. Italien wurde schon einmal über die Ankunft des Togolesen benachrichtigt – wenige Tage vor dem gescheiterten Abschiebung am Montag. Seit der Festnahme im Rahmen der Großrazzia läuft die Zeit erneut.

In Ellwangen kam es am Donnerstagmorgen zu einem groß angelegten Polizeieinsatz in einem Flüchtlingsheim. Dort scheiterte am Montag der Versuch einer Abschiebung eines Afrikaners. Asylbewerber verhinderten gewaltsam den Zugriff durch die Polizei. Die Beamten mussten schließlich abrücken, um sich nicht selbst zu gefährden. Der gesuchte Togolese konnte festgenommen werden.

Rückführung nach Italien

Zusammen mit 15 weiteren Asylsuchenden, die immer wieder für Unruhen in dem Flüchtlingsheim sorgten, wurde der 23-Jährige am Donnerstagnachmittag in eine andere Landeserstaufnahmeeinrichtungen verlegt. Nun soll er nach dem Dublin-Abkommen nach Italien gebracht werden. Die Polizei in Aalen teilte am Donnerstag mit:

Solche Maßnahmen zur Trennung von Unruhestiftern haben bereits in der Vergangenheit zum Erfolg der Befriedung in der Landeserstaufnahmeeinrichtung geführt.

Großes Polizeiaufgebot

Der Hintergrund des Einsatzes war zunächst nicht bekannt. Zeugen berichteten von hunderten Streifenwagen, die um 5:18 Uhr die Schranke des Flüchtlingsheims ohne Licht passierten. Nur wenig später habe der Zugriff begonnen. Anschließend trafen zahlreiche Krankenwagen am Einsatzort ein. Das Gelände rund um das Flüchtlingsheim wurde weiträumig abgesperrt, Journalisten hatten keinen Zutritt.

Die Polizei gab später bekannt, dass der Einsatz die Festnahme des gesuchten 23-jährigen Togolesen zum Ziel hatte. Da es Hinweise gab, dass sich die Flüchtlinge beim nächsten Polizeieinsatz erneut zur Wehr setzen wollten, rückte man mit einem Großaufgebot an. 39 Kräfte seien im Einsatz gewesen, 60 Beamte befanden sich auf Abruf. In Rahmen der Razzia stellten die Beamten außerdem gefährliche Gegenstände, Waffen und hohe Geldbeträge sicher.

Mehrere Verletzte

Ersten Berichten zufolge wurden zahlreiche Asylbewerber in Handschellen abgeführt. Ob sie später vernommen wurden, ist unklar. Die „BILD“-Zeitung berichtete zudem über Flüchtlinge, die aus dem Fenster gesprungen seien und fliehen wollten. Drei Asylbewerber seien zur ambulanten Behandlung in eine Klinik gebracht worden. Sie konnten bereits in die Unterkunft zurückkehren. Mehrere Verletzte wurden noch am Einsatzort von den etwa 50 Rettungskräften versorgt. Außerdem wurde ein Polizist verletzt, der sich im Moment noch im Krankenhaus befindet.

Dem Großeinsatz geht die gescheiterte Abschiebung eines 23-jährigen Togolesen voraus. Polizisten erschienen am Montag mit Streifenwagen vor dem Flüchtlingsheim und wurden nach der Festnahme von 150 bis 200 afrikanischen Asylbewerbern umzingelt. Sie forderten unter Androhung von Gewalt die Herausgabe des Schlüssels der Handschellen. Um das Leben und die Sicherheit der Beamten nicht zu gefährden, gaben die Polizisten der Forderung nach. Der Togolese konnte anschließend untertauchen.

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