Das östliche Mittelmeer und die Ägäis sind seit nunmehr vier Tagen Schauplätze einer explosiven Auseinandersetzung. Als Hauptakteure stehen sich entlang eines rund 1000 Kilometer langen Meeresabschnitts die Türkei und die EU-Mitgliedsländer Zypern und Griechenland als Akteure gegenüber. Seit nunmehr vier Tagen verwehren türkische Kriegsschiffe einem vom italienischen Energieunternehmen ENI gemieteten Bohrschiff die Zufahrt zu möglichen Erdgasfeldern südöstlich der Hafenstadt Larnaka.

Vermittlungen seitens der EU sind bisher gescheitert, der Aufruf an die Türkei, Ruhe zu bewahren, verebbt. Stattdessen spitzte sich die brisante Lage weiter zu, als ein türkisches Patrouillenboot ein Boot der griechischen Küstenwache in der Ägäis rammte und beschädigte.

Erdogan aufs Äußerste vorbereitet

„Im Moment beobachten unsere Kriegsschiffe, Luftstreitkräfte und andere Sicherheitseinheiten die Entwicklungen in der Region sehr genau, mit der Befugnis, wenn nötig, jede Art von Eingriff zu unternehmen“,

bezog Recep Tayyip Erdogan am Dienstag Stellung vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara. Eine klare Antwort des türkischen Staatspräsidenten auf die Ermahnung von EU-Ratspräsident Donald Tusk am Vorabend, die Türkei solle ihre Blockade aufgeben und die territoriale Souveränität Zyperns respektieren.

Die Türkei erkennt Zypern als EU-Staat nicht an und verbittet sich jegliches Eingreifen in der Region, solange die Zypern-Frage nicht geklärt ist. Die drittgrößte Mittelmeerinsel gehört seit 1974 teils zu Griechenland, teils zur Türkei einschließlich der Türkischen Republik Nordzypern. Seit 2004 ist die gesamte Inselrepublik Mitglied der Europäischen Union, obgleich die Regierung in Nikosia nur den Südteil der Insel verwaltet.

EU warnt vor weiteren Provokationen

Auch Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker richtete deutliche Worte in Richtung Ankara. Die EU warne die Türkei eindringlich vor weiteren Provokationen und jeglichen Handlungen, die die gute Nachbarschaft gefährden könnten. Die Türkei habe die Souveränität der EU-Staaten über deren Hoheitsgewässer und deren Luftraum zu respektieren, erklärte ein Sprecher in Brüssel.

„Das Nachbarland trägt mit seinem Verhalten nicht dazu bei, die Turbulenzen zu überwinden. Ganz im Gegenteil“, meldete sich der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos zu Wort. Er sprach von einer „allgemeinen Destabilisierung“, die von der Türkei ausgehe. Griechenlands Außenminister Nikos Kotzias beobachtet den Nachbarstaat seit Monaten als „nervöse Macht“.