Europa blickte am Dienstag gespannt nach Brüssel. Das EU-Parlament hatte einen prominenten Gast geladen. Allerdings nicht zum Spaß! Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste sich vor den Europäern zur Daten-Affäre um das soziale Netzwerk und das britische Analyse-Unternehmen Cambridge Analytica verantworten, das drei Millionen Nutzer auf dem alten Kontinent betrifft.

Am liebsten hätte er seinen brisanten Auftritt unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne gebracht. Doch die EU-Parlamentarier wollten Zuckerberg nicht schonen. Im Gegenteil, man wollte den Facebook-Giganten in aller Öffentlichkeit „grillen“.

Die Mehrzahl der Nutzer bei Facebook sind aus der Europäischen Union. Das heißt, es ist absolut richtig, dass Herr Zuckerberg jetzt hier auch im Europäischen Parlament Rede und Antwort steht,

begründete der Europa-Abgeordnete Jan Philipp Albrecht von den Grünen Zuckerbergs Befragung, die vom Parlamentspräsident Antonio Tajani, von den Fraktionschefs und ausgewählten Experten im Bereich Datenschutz geleitet wurde.

Ein Live-Stream ließ die ganze Welt teilhaben. Doch wer hier wen vorführen würde, zeichnete sich schnell ab.

EU verschenkt Antworten

Ab 18.15 Uhr konnte jeder die Anhörung des 34-Jährigen mitverfolgen. Albrecht hoffte, dass nicht nur geredet werde, sondern es auch konkrete Ergebnisse geben würde, zitierte ihn gestern die „Tagesschau“.

Dass wir mehr Erkenntnisse darüber bekommen, was Facebook eigentlich plant mit Blick auf den Datenschutz der Nutzer und wie vor allen Dinge in Zukunft ein Geschäftsmodell betrieben werden kann, das nicht nur auf die Ausbeutung der Daten und der Privatsphäre der Menschen setzt,

so der EU-Parlamentarier.

Aber geredet haben hauptsächlich die Abgeordneten. Insgesamt 62 Minuten verstrichen mit komplexen Fragen seitens der Fraktionschefs und Angeordneten, lediglich 23 Minuten Zeit blieben für Zuckerbergs Antworten. Rückfragen hatte der Facebook-Kopf vorn vornherein verboten. Wichtige Fragen blieben ungeklärt. Das Ende dieser Farce bestimmte Zuckerberg einfach selbst mit dem Hinweis, dass der Termin schon um eine Viertelstunde überzogen sei.

Und der Gewinner ist… Mark Zuckerberg

Die akribische Vorbereitung und die durchaus kritischen Fragen des EU-Parlaments prallten an Zuckerberg ab, wie an einem glänzenden Werbeplakat. Er nutzte Brüssel als Bühne für eine gut inszenierte Entschuldigung an die Facebook-User in Europa. Im Anschluss legte er die Basis für neues Vertrauen, indem er in einem ausführlichen Statement Facebooks Innovationen bezüglich der Datensicherheit darlegte.

Dass mit dem Datenleck im sozialen Netzwerk möglicherweise Wahlen manipuliert wurden, war nur noch ein leises Rauschen im Hintergrund.

Mission accomplished.

Ein paar Erfahrungen konnte Zuckerberg bereits sammeln. Erst im April musste er den Abgeordneten des US-Senats öffentlich Rede und Antwort stehen.