Er ist der große Verlierer des GroKo-Durchbruchs: Sigmar Gabriel. Der Noch-Außenminister dürfte sein Amt wohl bald an Martin Schulz abgeben. Seinen Ärger über den Verlauf der Regierungsbildung und die Verteilung der Ministerien machte Gabriel im Interview mit der Funke-Mediengruppe Luft.

“Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt”,

sagte Gabriel. Konkretisieren wollte Gabriel das Versprechen nicht, doch warf Parteichef Schulz unmissverständlich Wortbruch vor.

Fehlende Wertschätzung als Außenminister

Zwar respektiere Gabriel die Personalentscheidungen innerhalb der SPD, schließlich seien Politiker “Gewählte und keine Erwählten”. Doch seine politische Zukunft hatte sich der scheidende Minister offenbar anders vorgestellt.

“Ich habe das Amt des Außenministers gern und in den Augen der Bevölkerung offenbar auch ganz gut und erfolgreich gemacht”, sagte Gabriel. Das sei es, was er bedauere, dass diese öffentliche Wertschätzung seiner Arbeit der neuen SPD-Führung “herzlich egal war.”

Schulz vs. Gabriel: Falsche Versprechungen?

Im Januar gab Gabriel Martin Schulz den Vorzug. Er verzichtete auf den Parteivorsitz und die mögliche Kanzlerschaft mit dem Fokus auf das Außenamt. Schulz soll ihm für diese Geste den Außenminister-Posten im Falle einer Wiederauflage der Großen Koalition zugesichert haben.

Steht Gabriels politische Karriere vor dem Aus?

Aus der Vergabe der Ministerien zog der amtierende Außenminister prompt seine Konsequenzen. Vorgesehene Termine wie seine Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Gabriel ab.

Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil fand auf der kürzlichen SPD-Klausur in Hannover hingegen lobende Worte für Gabriels politischen Werdegang. Er habe großartige Arbeit geleistet.

„Ich bin sicher, wir werden weiter von ihm hören. Das ist nicht das Ende seiner politischen Arbeit und auch nicht seiner politischen Karriere“, so Weil.

Olaf Scholz würdigte Gabriels Engagement im „ZDF“. Gabriel habe sowohl als Parteichef als auch als Außenminister Hervorragendes geleistet. Der voraussichtliche Bundesfinanzminister „hoffe und glaube nicht“, dass es zu einem Bruch zwischen Gabriel und der SPD kommen werde.