Am Sonntag appellierte Juso-Chef Kevin Kühnert an alle Gegner der Großen Koalition, in die SPD einzutreten.

“Jetzt und heute ist der richtige Zeitpunkt für all diejenigen, sich zu entscheiden, in die SPD mit reinzukommen und uns zu helfen, diese Auseinandersetzung zu gewinnen.”

Doch mit so einem enormen Zulauf hätte in der Landesgeschäftsstelle der SPD in Hannover wohl keiner gerechnet. Binnen 48 Stunden gingen online 160 neue Mitgliedsanträge ein. Bundesweit bekannten sich 1500 neue Mitglieder zur SPD. Im Vergleich: Typischerweise gehen an einem Montag und Dienstag nur etwa drei bis vier Mitgliedsanträge ein.

“Das ist in der Tat eine bemerkenswerte Zahl”,

sagt Landesgeschäftsführer Remmer Hein. Üblicherweise fänden in so wenigen Tagen nicht so viele Menschen in die Partei

GroKo-Blocker oder Neu-Genossen?

Dennoch stellt sich die Frage, war der Parteitag am Wochenende derart überzeugend oder handelt es sich bei der neuen Eintrittswelle lediglich um eine Protestwelle?

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil betrachtet die Kampagne teilte die Euphorie um den Juso-Aktionismus nicht:

“Ich freue mich über jeden, der in die SPD eintritt, der mitgestalten will. Aber ich kann nicht verstehen, wenn man jetzt in die SPD kommt für einen kurzen Zeitraum, um vielleicht eine Große Koalition zu verhindern. Das ist nicht mein Verständnis von Mitgliedschaft in der SPD.”

Niedersachsens SPD-Landesgeschäftsführer Hein wiederum glaubt an die Erneuerung seiner Partei: “Wir wissen nicht, warum die einzelnen Menschen jetzt bei uns eingetreten sind. Aber was wir wissen ist, dass es sich nicht nur um junge Leute handelt. Es handelt sich um Menschen jeden Alters.” Die könnten nach Auffassung von Hein auch aufgrund der lebendigen Debattenkultur der SPD hinzugewonnen worden sein.