Die Missbrauchsdebatte, die von Betroffenen unter dem Hashtag #MeToo geführt wird, zieht immer weitere Kreise. Nachdem zunächst zahlreiche Vorwürfe sexueller Belästigung bis Vergewaltigung gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein laut wurden, geraten immer mehr einflussreiche Persönlichkeiten in die Schusslinie der öffentlichen Anklage. Nun scheint die Verdachtswelle sexueller Übergriffe bis an die Haustür des Weißen Hauses geschwappt zu sein.

13 Frauen – UN-Botschafterin Nikki Haley fordert Gehör für Betroffene

Auch die Vereinten Nationen können sich offenbar von Belästigungs- und Missbrauchsfällen nicht freisprechen. Sowohl vor als auch nach der US-Präsidentschaftswahl berichteten mehrere Frauen von sexueller Belästigung gegen sie durch Donald Trump. Startschuss für ihren Schritt in die Öffentlichkeit war das brisante Video, in dem Trump damit getönt hatte, Frauen hemmungslos an die Genitalien zu grapschen.

Während das Weiße Haus die Anschuldigungen gegen den amtierenden Präsidenten ignoriert, genießt Trump für Haley in dieser Angelegenheit keine Sonderstellung. Sie forderte am Sonntag in der Polit-Sendung „Face the Nation“ des TV-Senders CBS die Anhörung der 13 Klägerinnen.

Sie sollten gehört werden und ihre Angelegenheiten sollten geklärt werden. Ich denke, wir haben bereits vor der Wahl von ihnen erfahren. Und ich denke, jede Frau, die sich misshandelt oder verletzt fühlt, hat das Recht, darüber zu sprechen,

bekräftigte Haley und beharrte darauf, dass die Behandlung von Opfern in allen Fällen gleich sein sollte.

Das Weiße Haus sieht keinen Handlungsbedarf

Ironischerweise obliegt es dem Beschuldigten als Präsident der Vereinigten Staaten selbst, ob den Belästigten Gehör geschenkt wird. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, betont, dass das amerikanische Volk Donald Trump bereits zum Präsidenten gewählt habe und die Vorwürfe damit zu den Akten gelegt worden seien. Der Commander-in-Chief sei insofern immun gegen Zivilklagen. Für die Klägerinnen heißt es nun: Geduld. Möglicherweise bis zum Ende von Trumps Amtszeit 2021 oder gar bis zum Ende einer zweiten Amtszeit im Jahr 2025.

Donald Trump wiederum spielt die Fake News-Karte und verbucht die Angelegenheit als Kampagne gegen ihn. Seine Anwälte dürften alle Hände voll zu tun haben.