Die diplomatischen Wogen zwischen Nord- und Südkorea schienen sich seit Wochen zu glätten. Ein historisches Treffen der Atom-Kontrahenten Kim Jong-un und Donald Trump steht unmittelbar bevor. Doch nun droht nach dem vielversprechenden Tauwetter schon wieder eine Kaltfront. Das für heute geplante Spitzentreffen mit hochrangigen südkoreanischen Regierungsvertretern hat Nordkoreas Machthaber schon abgesagt. Und auch an Präsident Trump richtete Kim drohende Worte.

Kim verärgert über „militärische Provokation“

Grund für die schlechte Stimmung soll nach Informationen der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap das alljährliche Militärmanöver „Max Thunder“ sein, an dem Streitkräfte Südkoreas und der USA teilnehmen. Diese Übung verletze die gemeinsamen Vereinbarungen von Süd- und Nordkorea nach dem Gipfeltreffen vom 27. April und sei eine vorsätzliche militärische Provokation. Machthaber Kim sehe sich von den USA und Südkorea getäuscht. Seine „Friedensbemühungen und guten Absichten“ würden untergraben, ließ die Zentrale Koreanische Nachrichtenagentur (KCNA) verlauten.

Kim droht mit Absage an Trump

Doch nicht nur die südkoreanisch-amerikanischen Militärübungen vor der eigenen Haustür wurmen den Diktator aus dem Norden. Noch schwerer wiegen offenbar die zu eindimensional empfundenen Forderungen der USA nach einer nordkoreanischen Abkehr von Atomwaffen, hieß es aus Pjöngjang seitens des Vize-Außenministers Kim Kye Gwant.

Wenn die US-Regierung „uns in die Enge treibt und einseitig fordert, dass wir Atomwaffen aufgeben, haben wir kein Interesse mehr an Gesprächen“,

wird Kim von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zitiert.

Kim Kye Gwan bezieht sich auf Äußerungen von Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton. Der hatte gefordert, Nordkorea solle eine „vollständige, nachweisbare und unumkehrbare“ Demontage des Atomwaffenprogramms erbringen.

Ob das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen zwischen Kim und Trump in Singapur am 12. Juni tatsächlich stattfindet, werde aktuell in Pjöngjang besprochen.