Ihre Verhaftung hatte selbst in der Bundesregierung für Protest gesorgt. Seit April saß die deutsche Journalistin Mesale Tolu in türkischer Untersuchungshaft. Ihr Vergehen? Sie soll als Mitglied einer Terrororganisation Propaganda betrieben haben. Konkret wird ihr vorgeworfen, an zwei Gedenkveranstaltungen für kurdische Kämpferinnen, welche im Kampf gegen den IS gefallen sind, teilgenommen zu haben. Zudem soll sie sich während einer Demonstration für Frauenrechte und für die Beerdigung von Mitgliedern einer verbotenen kommunistischen Partei ausgesprochen haben.

Freilassung mit Auflagen

Auf Antrag der türkischen Staatsanwaltschaft hat ein Gericht in Istanbul heute entschieden: Mesale Tolu darf das Gefängnis verlassen – nicht aber die Türkei! Für die Journalistin als auch für fünf weitere Angeklagte gilt eine Ausreisesperre. Laut übereinstimmenden Medienberichten muss sich Tolu bis zum finalen Urteilsspruch in ihrem Fall wöchentlich bei der Polizei melden. Ihr Prozess soll im April kommenden Jahres in die nächste Runde gehen.

Erst vor wenigen Wochen wurde Mesale Tolus Ehemann aus türkischer Haft entlassen. Suat Corlu hatte ebenfalls wegen Terrorverdachts eingesessen. Nach siebeneinhalb Monaten Haft zeigte sich Ali Riza Tolu erleichtert über die Freilassung seiner Tochter: „Heute bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Wir werden jetzt nach Hause fahren und alle zusammen feiern.“

Freude und Bangen bei der Bundesregierung

Außenminister Sigmar Gabriel begrüßte die Neuigkeiten im Fall Tolu:

Ich glaube, wir alle in Deutschland – und auch ich persönlich – freuen uns mit Mesale Tolu über die Entscheidung des Gerichts. Damit ist das Verfahren noch nicht beendet, aber ein erster, großer Schritt ist damit gemacht,

sagte Gabriel am Montag.

Die Freude über die Freilassung der Journalistin sei hinsichtlich ihrer Auflagen jedoch zwiespältig, hieß es weiter aus dem Auswärtigen Amt. Die Einstellung des Verfahrens gegen Mesale Tolu müsse Priorität bleiben. Außerdem dürfe man nicht die Schicksale der übrigen inhaftierten deutschen Staatsbürger wie Deniz Yücel aus den Augen verlieren, die noch immer „unter haarsträubenden Vorwürfen in türkischer Haft“ säßen.