Es war ein seltener Besuch von Kanzlerin Merkel. Als alleiniger Talk-Gast stand sie am Sonntagabend Anne Will Rede und Antwort. Denn Fragen gibt es derzeit viele, nicht nur zum kürzlichen G7-Eklat und dem ernüchternden Zusammentreffen mit Donald Trump. Auch zum brutalen Mord an der 14-jährigen Susanna F. aus Wiesbaden bezog Merkel Stellung.

Das ist ein abscheulicher Mord und für die Eltern das Schlimmste, was ihnen passieren konnte,

sagte Merkel und sprach den Angehörigen des getöteten Mädchens ihr Mitgefühl aus. Umso entschiedener forderte sie schnellere Asylverfahren.

Der Fall zeigt doch, wie wichtig es ist, dass die Menschen, die keinen Aufenthaltsstatus haben, schnell ihr Verwaltungsgerichtsverfahren bekommen und schnell wieder nach Hause geschickt werden können,

so die Kanzlerin im ARD-Talk.

Die von Innenminister Seehofer geplanten Anker-Zentren sollen den Prozess vereinfach.

Für mich ist die Lehre: alles zu tun, dass wir diese Zentren auf den Weg bringen – flächendeckend,

erklärte Merkel im Gespräch mit Will.

Auch die Asyl-Gerichtsverfahren müssten beschleunigt werden.

An ihrer Überzeugung, die Grenzen für Flüchtlinge nicht zu schließen, ändert jedoch auch dieser Mordfall nichts.  Diese Entscheidung von 2015 sei „nach wie vor für richtig“.

Allerdings wolle sie das „angeschlagene Vertrauen der Menschen“ in Deutschland zurückgewinnen, „indem man es jetzt besser macht“, mit schnelleren Verfahren und besserer Abstimmung zwischen Bund und Ländern.

Susannas Mörder im Irak festgenommen

Es ist traurige Gewissheit: Die seit dem 22. Mai vermisste Susanna F. aus Wiesbaden ist tot. Ihr Vergewaltiger und Mörder Ali B. wurde vergangenen Freitag im Irak gefasst und gestand inzwischen seine Tat. Das gab Innenminister Horst Seehofer bei einer Innenminister-Tagung bekannt:

Der im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an Susanna F. beschuldigte Ali B. ist heute Nacht, am 8. Juni 2018, gegen 2 Uhr durch kurdische Sicherheitsbehörden im Nordirak auf Bitten der Bundespolizei festgenommen worden,

bestätigte Seehofer die Festanahme des Mannes und dankte den beteiligten kurdischen Sicherheitskräften:

Dieser Erfolg ist das Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Sicherheitsbehörden im Irak und der deutschen Bundespolizei.

Grausame Gemeinschaftstat

Susanna wurde am 22. Mai von ihrer Mutter als vermisst gemeldet, nachdem sie am Abend nicht aus der Wiesbadener Innenstadt nach Hause zurückgekehrt war. Bei der Polizei gingen indes mehrere Zeugenhinweise ein, die auf ein Verbrechen hindeuteten. Im Rahmen einer groß angelegten Suchaktion fanden die Ermittler am Mittwoch schließlich eine Frauenleiche, bei der es sich zweifelsfrei um die vermisste 14-Jährige handelt.

Susanna fiel nach aktuellen Ermittlungen einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die Polizei fahndete nach zwei Männern und geht von einer Gemeinschaftstat aus. Einer von ihnen ist der 20-jährige Iraker Ali B., bei dem zweiten Mann handelt es sich um einen 35-jährigen türkischen Staatsangehörigen. Beide lebten zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden.

Die Polizei vermutet, dass Ali B. und Susanna ein Paar gewesen seien. Der 20-Jährige habe mit ihr Sex haben wollen. Als sich die 14-Jährige weigerte, habe er sie brutal vergewaltigt und anschließend zur Tatvertuschung erwürgt und auf einem schwer zugänglichem Gebiet in Wiesbaden-Erbenheim abgelegt. Um den Fund der Leiche zu verhindern, bedeckte er sie mit Gräsern und Stöcken.