„Russland, mach dich bereit“, twittert Donald Trump am Mittwoch und hält die Welt in Atem. Der US-Präsident hat einen Raketenangriff auf Syrien angekündigt und warnt damit auch Assads Verbündete, allen voran Wladimir Putin.

Die militärische Aktion der US-Regierung ist eine Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz in Duma.Russland hatte für diesen Fall schon vorab Vergeltung angekündigt. Doch davon lässt sich Trump wenig beeindrucken:

Russland hat geschworen, alle Raketen abzuschießen, die auf Syrien abgefeuert werden. Mach‘ Dich bereit, Russland, denn sie werden kommen,

schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter.

Abstimmung mit Macron und May

Trump telefonierte vor seiner Ankündigung sowohl mit Macron als auch mit May. Während sich Frankreichs Präsident für eine entschlossene Reaktion der internationalen Gemeinschaft gegen die Verwendung von Chemiewaffen in Syrien aussprach, unterstützt Großbritanniens Premierministerin May zwar die Linie, dass es keine weiteren Einsätze chemischer Waffen in Syrien geben dürfe, doch müssten vor einer militärischen Reaktion eindeutige Beweise vorliegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist der Meinung, dass „die Evidenz“ für den Einsatz von Chemiewaffen „sehr, sehr klar und sehr deutlich ist“:

Es ist schon erschütternd, dass nach so vielen internationalen Diskussionen und Ächtungen immer wieder dort Chemiewaffen eingesetzt werden. Und davon müssen wir leider ausgehen,

so Merkel. Sie erwartet von den UN eine „sehr deutliche Sprache“ diesbezüglich.

Beweise für die USA eindeutig

Für die USA ist klar: Der „barbarische“ Angriff auf Duma, bei dem Dutzende Menschen grausam getötet wurden, trage die Handschrift des Assad-Regimes und seiner Verbündeten. Präsident Trump kündigte eine „bedeutende Entscheidung“ an.

Wir können solche Greueltaten nicht zulassen,

sagte Trump. Eine Einschätzung, die auch Verteidigungsminister James Mattis vertritt:

Im Augenblick schließe ich nichts aus,

so Mattis.

Zunächst sollte jedoch geprüft werden, ob auch die russische Regierung an dem Angriff auf die Rebellenhochburg beteiligt war. Sollte dies der Fall sein, seien Konsequenzen für Wladimir Putin denkbar. Wenn sich herausstelle, dass dieser eine Verantwortung für den Angriff trage, werde er wie jeder andere einen Preis dafür zahlen, sagte Trump. Auch eine mögliche Mitschuld des Irans werde untersucht.

Russland sei seiner Verpflichtung zur Beendigung des syrischen Chemiewaffenprogramms nicht nachgekommen, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders.

Deutschland: Russland soll „Blockadehaltung“ aufgeben

Die Bundesregierung schließt sich der amerikanischen Einschätzung an.

Auch bei diesem Giftgaseinsatz deuten die Umstände auf die Verantwortlichkeit des Assad-Regimes hin,

erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Vorgehen des Regimes sei abscheulich, menschenverachtend und es verstoße gegen elementare Regeln des humanitären Völkerrechts. Es dürfe nicht ungesühnt bleiben.

Als Hauptverbündeter von Assad solle Russland seine „Blockadehaltung“ im UN-Sicherheitsrat aufgeben und eine Untersuchung von Chemiewaffeneinsätzen in Syrien zuzulassen, forderte Seibert im Namen der Bundesregierung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe mit Putin telefoniert und dabei den mutmaßlichen Giftgasangriff verurteilt. Merkel soll den russischen Präsidenten vor „Provokationen und Spekulationen“ zum Thema gewarnt und zur Zurückhaltung gemahnt haben.

Russland: „Fabrizierte Anschuldigungen“

Für Russland stellt sich die Lage ganz anders da. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, das russische Militär habe keinen Hinweis auf einen Chemiewaffenangriff gefunden. Russische Sanitäter hätten Patienten in einem Krankenhaus in Duma untersucht und dabei keine Symptome einer Vergiftung festgestellt. Vielmehr handle es sich um „fabrizierte Anschuldigungen“, sagte Generalmajor Juri Jewtuschenko. Russland sei bereit, Experten nach Duma zu entsenden, sobald die Rebellen von dort vertrieben seien, um zu beweisen, dass die Berichte erfunden seien.

Die Türkei mahnte an, dass die Untersuchung der Vorkommnisse in Duma Aufgabe internationaler Organisationen und besonders der Internationalen Organisation für ein Chemiewaffenverbot (OPCW) ist. Die OPCW habe mit ihrer Untersuchung bereits begonnen.

Syrische Militärbasis bei Homs beschossen

Den Beschuss einer syrischen Militärbasis in Homs bezeichnete Russlands Außenminister Sergej Lawrow als gefährliche Entwicklung. Sowohl syrische als auch russische Medien machten Israel für diesen Angriff verantwortlich. Israel hat diese Anschuldigung bisher nicht kommentiert. Den Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte zufolge kamen bei diesem Angriff 14 Menschen ums Leben.

Die USA und Frankreich hatten umgehend klargestellt, dass sie nicht am Militärschlag gegen die Militärbasis beteiligt waren. Frankreichs Präsident Macron hatte im Februar mit einem französischen Militärschlag gedroht, sollten syrische Regierungstruppen mit C-Waffen Zivilisten töten. Nachdem Trump am Sonntag mit Vergeltung für den Giftgas-Angriff auf Duma gedroht hatte, berichtete das syrische Staatsfernsehen zunächst, der Angriff auf die Militärbasis gehe sehr wahrscheinlich auf die USA zurück.