Was war denn das? US-Präsident Trump wischt Staatsgast Emmanuel Macron im Oval Office ganz fürsorglich eine Schuppe von der Schulter. Ein Freundschaftsdienst oder übles Vorführen auf der öffentlichen Bühne?

Kleine Schüppchen! Wir müssen ihn perfekt machen. Er ist perfekt!,

witzelte Trump, nachdem er den französischen Präsidenten im Weißen Haus wie einen Schuljungen zurechtgemacht hat.

Eine spontane Geste wird es jedenfalls nicht gewesen sein, schließlich ist Trump dafür bekannt, vor laufenden Kameras nichts dem Zufall zu überlassen. Es wird gemunkelt, Trumps Schulterklopfer könnte eine kleine Rache für Macrons triumphierenden Händedruck während eines Aufeinandertreffens der beiden Staatsmänner im Mai 2017 sein. Damals hatte sich der Franzose von Trumps berüchtigtem Handschlag nicht aus der Fassung bringen lassen und Überlegenheit demonstriert, indem er die Hand des US-Präsidenten länger festhielt, als es jenem offensichtlich lieb war.

Im Nachhinein hatte Macron seine Geste kommentiert:

Das war nicht ohne Hintergedanken. So verschafft man sich Respekt. Man muss zeigen, dass man keine kleinen Zugeständnisse macht, nicht einmal symbolisch.

erklärte er der französischen Zeitung „Le Journal du Dimanche“.

Und wie reagierte Macron auf Trumps vermeintliche Retourkutsche? Der nahm es gelassen mit einem Lächeln und gönnte Trump seine Show, die er so liebt.

Neue Männerfreundschaft oder heimliches Kräftemessen?

Insgesamt war jedoch beiden Staatsoberhäuptern sehr daran gelegen, Einigkeit zu demonstrieren. Nicht umsonst wurde Macron als Trumps erster Staatsgast in Washington empfangen.

So hagelte es nicht nur gegenseitige Schulterklopfer, Umarmungen und Bisous unter Männern. Trump und Macron lobten sich auch gegenseitig für den Militärschlag auf Chemiewaffenanlagen des Assad-Regimes in Syrien und äußerten sich offen für Kompromisse beim Atomdeal mit dem Iran.

Wir haben großartige Beziehungen. Das sind keine Fake News! Endlich haben wir mal keine Fake News!,

betonte Trump beim Foto-Termin im Oval Office.