Bisher lieferten sich Großbritannien und Russland zum Fall Skripal nur Wortgefechte aus der Ferne. Heute trafen beide Parteien in Den Haag erstmals direkt aufeinander. Auf der Sondersitzung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sollte es Klarheit geben hinsichtlich des Nervengift-Anschlags auf den russischen Doppelspion Sergej Skripal und dessen Tochter Yulia. Russland hatte die Sondersitzung des Exekutivrats der OPCW einberufen. Trotz der russischen Forderung nach strengster Geheimhaltung dringen erste Details in die Außenwelt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hegte große Erwartungen an das heutige Treffen:

Ich hoffe, dass bei dieser Diskussion ein endgültiger Strich darunter gezogen wird. Wir sind an einer vollwertigen Aufklärung interessiert.

sagte Putin am Dienstag bei einem Besuch in der Türkei.

Zusammenarbeit unerwünscht?

Die Fronten zwischen Ost und West sind verhärtet. Daran konnte auch der direkte Austausch in Den Haag am Mittwoch nichts ändern. Im Gegenteil, Großbritannien und Russland attackierten sich heftig. Die Briten hielten fest an ihrer Einschätzung, dass Moskau für die Nervengift-Attacke verantwortlich sei. Den Vorschlag Russlands, Ermittlungen gemeinsam vorzunehmen, bezeichnete die britische Delegation als „pervers“ und Ablenkungsmanöver Moskaus, um Fragen auszuweichen.

Einigkeit demonstrierten Gesandte westlicher Staaten. Ihre Unterstützung gelte weiterhin Großbritannien. Das betrifft auch die Europäische Union.

Die EU weist Unterstellungen Russlands gegen Mitgliedsstaaten zurück,

twitterte die kanadische Botschafterin Sabine Nolke.

Nach Angaben russischer Diplomaten wollten sich 14 der insgesamt 41 Mitgliedsstaaten der OPCW für Moskaus Position aussprechen. Der Kreml bestreitet nach wie vor hinter dem Attentat zu stecken und verlangt, an der Aufklärung beteiligt zu werden. Eindeutige Beweise, die nach Moskau führen, liegen bisher nicht vor. Dennoch teile auch Deutschland die Einschätzung Großbritanniens, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Verantwortung Russlands gebe, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin.

Der Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter wurden am 4. März im südenglischen Salisbury vergiftet. Der 66-Jährige befindet sich in einem kritischen Zustand, der 33-Jährigen soll es besser gehen.