Es ist der wichtigste Theaterpreis der Welt, doch nach den Tony Awards beherrschen heute nicht die Preisträger die Schlagzeilen, sondern das Statement eines Schauspielers. Robert di Niro ließ es sich nicht nehmen, die Bühne der Radio City Music Hall in New York zu nutzen, um seine Meinung über den US-Präsidenten kundzutun:

Ich will nur eins sagen: Fuck Trump! Es kann nicht mehr heißen: Weg mit Trump!, es heißt: Fuck Trump!,

sagte der Hollywood-Star mit erhobenen Fäusten.

Das Publikum pflichtete ihm größtenteils bei. Übertragen wurde die Verbal-Attacke nicht. Der Fernsehsender CBS strahlt Live-Sendungen seit Jahren mit einer ZEitverzögerung aus, um Schimpfwörter rauszuschneiden. Umso mehr Klicks erhalten Mitschnitte von De Niros Auftritt in den sozialen Medien.

Potter-Stück und Arthaus-Musical räumen ab

Jubel gab es natürlich nicht nur unter Trump-Gegnern im Publikum, sondern auch unter den eigentlichen Preisträgern der 72. Tony Awards. Als bestes neues Theaterstück konnte „Harry Potter and the Cursed Child“ („Harry Potter und das verwunschene Kind“) überzeugen. Insgesamt sechs Preise gingen an die Geschichte des erwachsenen Zauberers.

Ebenfalls gefeiert wurde das mit zehn Auszeichnungen (u.a. Beste Regie, Beste Hauptdarsteller) prämierte Musical „The Bands Visit“. Das vom Arthaus-Film „Die Band von nebenan“ inspirierte Stück ist in Israel verortet.

In den Einzelkategorien behaupteten sich Andrew Garfield (bekannt aus „Spiderman“) für „Angels in America“ und Laurie Metcalf („Lady Bird“) für „Three Tall Women“ als beste Schauspieler in einem Theaterstück. Der Sonderpreis ging an Bruce Springsteen für seine Konzertreihe „Springsteen on Broadway“.

Seit 1947 werden die besten neuen Theaterstücke und Musicals am New Yorker Broadway mit den Tony Awards ausgezeichnet. Rund 850 Juroren stehen hinter der Preisverleihung, die vom American Theatre Wing und der Broadway League präsentiert wird.