Düstere Wolken am Himmel über München. Die gegenwärtig in München stattfindende 54. Sicherheitskonferenz zeichnet ein bedrohliches Zukunftsbild. Konfliktgeladen wie seit langem nicht mehr wird die Sicherheitslage in der Welt wahrgenommen. Mitten im Spannungsfeld die USA und Russland. Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, warnte zum Auftakt des internationalen Treffens mit 500 Spitzenpolitikern, führenden Militärs und Verteidigungsexperten vor einer militärischen Konfrontation zwischen den beiden Großmächten. Die Gefahr eines Konflikts sei so hoch wie seit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr, sagte der frühere Spitzendiplomat am Freitag im Deutschlandfunk. Das Misstrauen zwischen der Militärführung in Washington und der in Moskau nannte er „abgrundtief“.

Welt lässt Ordnungsmacht vermissen

Als Hauptgrund für die „unglückselige Entwicklung“ führte Ischinger die neue US-Außenpolitik unter Donald Trump an. „Immer häufiger, so ist mein Eindruck, wird versucht, nicht nur mit Waffen zu drohen, sondern den Waffeneinsatz tatsächlich zu praktizieren, um eigene Interessen durchzusetzen“, mahnte Ischinger.

„Es liegt daran, dass eine große Ordnungsmacht, ein Weltpolizist, um es salopp auszudrücken, in der Form, wie wir ihn längere Jahre, vielleicht Jahrzehnte hatten, nicht mehr existiert. Die USA haben sich doch in sichtbarer Weise von dieser früheren Rolle zurückgezogen, insbesondere im Nahen und Mittleren Osten“, so Ischinger weiter.

Gabriel: Europa muss Konsequenzen ziehen

Angesicht der schwelenden Brandherde in der Welt ermunterte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel die Europäer zu einem selbstbewussteren Umgang mit militärischer Macht. Militäreinsätze dürften für Europa kein absolutes Tabu mehr sein. „In einer Welt voller Fleischfresser haben es Vegetarier schwer“, sagte der SPD-Politiker vorab in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

„Europa muss ein Flexitarier werden, der Fleischkonsum gelegentlich zulässt und militärische Macht nicht scheuen darf, aber dem Zivilen den Vorrang gibt“, forderte Gabriel. Es dürfe nicht ignoriert werden, dass sich die Regierungen vieler Weltregionen zunehmend von militärischer Konfliktlogik leiten ließen.

Gabriels Rede auf der Münchner Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird morgen erwartet.