Es ist ein Daten-Skandal von ungeheurer Dimension. Weltweit sollen die persönlichen Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern unrechtmäßig in die Hände der britischen Analyse-Firma Cambridge Analytica gespielt worden sein. Bislang wurde die Zahl der möglichen Betroffenen auf 50 Millionen geschätzt. Der Daten-Missbrauch soll nach neuesten Erkenntnissen vor allem User in den USA betreffen (70,6 Millionen), gefolgt von den Philippinen (1,2 Millionen) und Großbritannien (1,1 Millionen). Doch auch die Daten von etwa 310.000 Deutschen könnten durch den Zugriff von Cambridge Analytica auf die Freundesliste der User angezapft worden sein. Damit zieht der Facebook-Skandal immer größere Kreise.

Konzernchef Mark Zuckerberg räumte ein, dass die Sicherheitslücken wohl Jahre in Anspruch nehmen dürften. Inzwischen wurden Stimmen laut, die sein Rücktritt forderten.

Daten sollen besser geschützt werden

Zuckerberg hatte seine Schuld als Verantwortlicher der Social-Media-Plattform eingeräumt.

Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir nicht das Recht, Ihnen zu dienen,

wandte er sich in einem Facebook-Post direkt an die User. Er selbst sei „verantwortlich“ für die „Fehler“, die Facebook gemacht habe. Jeder einzelne Nutzer, der möglicherweise von dem Datenmissbrauch betroffen sei, werde darüber von Facebook informiert, sicherte Zuckerberg zu.

Klagen gegen Facebook auf Regierungsebene

In der Affäre um den Datenmissbrauch von 50 Millionen Nutzern flattern immer mehr Klagen ins Hause Facebook. Neben US-Investoren fordern nun auch das britische Parlament und Bundesjustizministerin Barley Aufklärung von Konzernchef Mark Zuckerberg.

Facebook habe „sachlich falsche und irreführende Aussagen“ zur Firmenpolitik gemacht, lautet der Vorwurf in einer Klageschrift, die am Dienstag bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht wurde, wie US-Medien berichteten.

Schon vor zwei Jahren soll Facebook über das Datenleck informiert worden sein, doch sieht sich nun als Opfer von Cambridge Analytics:

Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden,

heißt es in einem Statement. Facebook werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen.

Ermittlungen eingeleitet

Zuvor hatten US-Medien berichtet, die US-Aufsichtsbehörde FTC habe Ermittlungen zu dem Fall eingeleitet. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutzregeln feststellen, könnte sie hohe Strafen verhängen.

Angeblich hat das Trump-Lager während des US-Wahlkampfes die in Großbritannien ansässige Datenanalysefirma Cambridge Analytics beauftragt, die unerlaubt User-Daten sammelte, auswertete und den Nutzer dann durch gezielte Beiträge beeinflusste. Auch der Brexit soll auf diese Weise manipuliert worden sein.

Mark Zuckerberg steht nun im Fokus der Anschuldigungen. Wusste das Unternehmen etwa nichts von dem Daten-Klau, oder hat Facebook die sensiblen Informationen sogar an die Firma verkauft?

Deckmantel der Wissenschaft

Bei der besagten Firma handelt es sich um „Cambridge Analytica“. Sie sollen demografische Daten der Facebook-Nutzer gesammelt und psychologische Profile erstellt haben. Anschließend wurden den Usern auf sie abgestimmte Beiträge gezeigt, die ihr Wahlverhalten in eine bestimmte Richtung lenken sollten. Berichten von Whistleblowern zu Folge habe diese Praktik Donald Trump in das Amt des Präsidenten verholfen und auch den EU-Skeptikern bei der Entscheidung zum Brexit in die Hände gespielt.

Die Daten wurden zuvor über die App „thisisyourdigitallife“ erhoben, hinter der das Unternehmen Global Science Research (GSR) steckt. Sie behaupteten, ihre Anwendung würde lediglich ein Persönlichkeitstest sein. Um diesen nutzen zu können, mussten die User der App den Zugriff auf ihr Facebook-Konto gewähren. Allerdings erhielt „thisisyourdigitallife“ zusätzlich die Informationen aller Facebook-Freunde des Nutzers.

Facebook: „App wirkte seriös“

Dennoch griff Facebook nicht ein, denn hinter dem Prozedere stand Alexandr Kogan von der Universität Cambridge. Er war es allerdings auch, der die Daten schließlich an Cambridge Analytica weitergab. Angeblich seien sie nach der Auswertung gelöscht worden. Auch im US-Wahlkampf habe Cambridge Analytica keine Rolle gespielt. Die Daten seien 2015 erhoben worden und damit vor dem Wahlkampf des 71-Jährigen.

Vor allen bei Wissenschaftlern und Forschern löst dieses Vorgehen blankes Entsetzen aus. Sollte es tatsächlich eine Software geben, die Wahlkämpfe maßgeblich in eine Richtung lenken kann, wären die Folgen nicht auszudenken.

Noch am Wochenende sperrte Facebook Cambridge Analytica auf seiner Website. Und gleichzeitig verließ Alex Stamos, Sicherheitschef bei Facebook, das Unternehmen. Am Montag sank die Aktie.

Nutzer werden nun dazu aufgerufen, bei der Weitergabe persönlicher Daten empfindsamer und misstrauischer zu sein.