Sie war nicht nur First Lady, sondern auch First Mom. Ihre Silberfuchs-Frisur und ihr auffälliger Modeschmuck waren ihre Markenzeichen. In der US-Bevölkerung war sie für ihre direkte Art und Schlagfertigkeit beliebt. Im Weißen Haus soll sie mit ihrem Humor Spuren hinterlassen haben. Gestern starb Barbara Bush im Alter von 92 Jahren.

Herz der Politiker-Familie Bush

Sie war nicht nur die Ehefrau des 41. US-Präsidenten George H. W. Bush und Mutter des 43. US-Präsidenten George W. Bush. Barbara Bush war auch eine respektierte Frau, die kein Blatt vor den Mund nahm. So sprach sie sich beispielsweise 2015 gegen eine Präsidentschaftskandidatur ihres Sohnes Jeb aus:

Es gibt doch eine Menge großartiger Familien und andere sehr qualifizierte Leute. Nein, wir hatten genug Bushs,

sagte sie damals.

Zwar unterstützte sie noch als 90-Jährige ihren Sohn im Wahlkampf. Doch über den Stand der Bush-Dynastie bei den Republikanern machte sie sich keine Illusionen.

Rückschau: Ein „tolles“ Leben

Anlässlich ihres 90. Geburtstags, den sie gemeinsam mit ihrem Mann auf dem Feriensitz der Familie in Kennebunkport im Bundesstaat Maine feierte, zog Barbara Bush eine zufriedene Bilanz:

Ich fand mein ganzes Leben toll. Ich hatte viel Glück in meinem Leben.

Mit 19 Jahren heiratete Barbara ihren George. Die Ehe, die 1945 geschlossen wurde, wird als typische Kriegsehe beschrieben. Der damals 20-Jährige war gerade als Pilot über dem Pazifik abgeschossen worden. Das Paar bekam sechs Kinder, darunter vier Söhne und zwei Töchter. Eine Tochter starb im Alter von vier Jahren an Leukämie – ein Grund, weshalb Barbara Bush seither jedes Jahr an Weihnachten krebskranke Kinder im Krankenhaus besucht.

Eigene politische Ambitionen hegte Barbara Bush hingegen nie. Anders als Hillary Clinton hielt sie sich im Hintergrund ihrer berühmten Familie. Ihrer politischen Weitsicht tat diese Zurückhaltung aber keinen Abbruch.

In einer Rede vor Studenten im Jahr 1990 sagte sie:

Falls jemand aus dem Publikum so wie sie als Ehepartner des Präsidenten ins Weiße Haus ziehen wolle, dann „dann wünsche ich IHM alles Gute“ – so Barbara Bush damals augenzwinkernd.

Freundschaft zwischen den Bushs und den Clintons

Dass ausgerechnet die politisch konkurrierenden Präsidentschaftskandidaten Bush und Clinton ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, ist ihr zu verdanken. Barbara Bush lehnte parteipolitische Hardliner ab. An erster Stelle stand für sie das Land. Auch deshalb war Bill Clinton ein würdiger Sieger, der die Wiederwahl ihres Mannes verhindert hat. Als Präsident habe sich Bill Clinton auch später immer um sie gekümmert.

Bill besucht uns jeden Sommer. Vielleicht nicht seine Politik, aber Bill Clinton liebe ich!,

sagte sie.

Mit Barbara Bush verlieren die Vereinigten Staaten eine Persönlichkeit, die trotz aller Differenzen für den Respekt zwischen Republikanern und Demokraten einstand.