Es sind die gewaltsamsten Ausschreitungen in den Palästinensergebieten seit dem Gaza-Krieg 2014. Mindestens 58 Palästinenser wurden bei den Massenprotesten im Gazastreifen von israelischen Soldaten erschossen, mehr als 2770 Menschen verletzt. Das bestätigte das Gesundheitsministerium am Dienstag, einen Tag nach der Eröffnung der US-Botschaft in der umstrittenen heiligen Stadt Jerusalem, welche die Region erneut in Flammen setzt.

Die Welt reagiert schockiert über die Gewalt-Exzesse an der Gaza-Grenze. Der türkische Präsident Erdogan stellt gar den Vorwurf Völkermord in den Raum der Israel-Debatte. Doch während Abbas drei Tage Trauer und einen Generalstreik im Gazastreifen und Westjordanland ausgerufen hat, lehnen die USA eine unabhängige Untersuchung der Gewaltexzesse zwischen Israelis und Palästinensers ab. Sowohl die US-Regierung als auch der israelische Premier Netanjahu machen die Hamas für das Blutvergießen verantwortlich.

Der UN-Sicherheitsrat kommt heute zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. 

US-Botschaft in Jerusalem eröffnet

Es war eine Entscheidung von symbolischer Schlagkraft. Nachdem US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hat, erfolgte Am Montag die Umverlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv in die heilige Stadt.

Während sich Israelis im politischen Freudentaumel Trumps Solgan „Make Israel great again“ abkupfern und am Sonntag zu Tausenden die „Wiedervereinigung“ der Stadt mit einem Marsch in Jerusalems Altstadt feierten, entflammen in den Palästinensergebieten schwere Unruhen. Denn ungeachtet des israelisch-amerikanischen Schulterschlusses beanspruchen die Palästinenser den arabisch geprägten Ostteil Jerusalems weiterhin als Hauptstadt eines künftigen unabhängigen Staates.

Rund eine Million Menschen wollten am Montag im Gaza-Streifen an der Grenze zu Israel protestieren. 

Netanjahu fordert Verlegung aller Botschaften

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu macht sich das Fahrwasser der US-Politik zunutze. Anlässlich einer Feier mit einer US-Delegation um Finanzminister Steven Mnuchin im israelischen Außenministerium in Jerusalem am Sonntagabend rief er alle Länder dazu auf, ihre Vertretungen ebenfalls in die heilige Stadt zu verlegen. Dies sei der richtige Schritt und diene dem Frieden.

Man kann die Basis für Frieden nicht auf einer Lüge aufbauen,

sagte Netanjahu nach Angaben des Außenministeriums.

Bei bei der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem am Montag waren auch die Präsidententochter Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner anwesend.

Bereits 1995 hat der US-Kongress ein Gesetz verabschiedet, das die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem vorsieht. Seither blockierten die jeweiligen US-Präsidenten aus Sorge vor einer politischen Eskalation in Nahost alle sechs Monate die Gültigkeit des Gesetzes durch ein Dekret. Nicht so Donald Trump. Der amtierende US-Präsident ließ die Frist im Dezember verstreichen und löste somit sein Wahlversprechen ein.