Das Jahr 2017 schreibt im Rückblick besorgniserregende Rekordzahlen. Noch nie befanden sich weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie im vergangenen Jahr. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR beziffert die Flüchtlingsströme mit rund 68,5 Millionen, die Hälfte davon sind Kinder. Das entspricht einem Anstieg um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Beinahe 70 Prozent der Flüchtlinge stammen nach Angaben des UNHCR aus diesen fünf Ländern: Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia. Und Lösungen für die Fluchtursachen scheinen nicht in Sicht.

Vertreibung, Kriege, Konflikte

In den meisten Fällen schlagen Konflikte, Kriege, Verfolgung oder anderen Formen der Gewalt Menschen in die Flucht. Statistisch wurden allein 2017 täglich etwa 44.500 Menschen vertrieben, drei von fünf Betroffenen suchten laut UNHCR im eigenen Land Zuflucht.

Dabei beschreibt die Bezeichnung Flüchtling ausschließlich jene Menschen, die aus ihrem Heimatland geflohen sind. Die UNHCR betreute 2017 insgesamt 19,9 Millionen Flüchtlinge. Die UN-Organisation UNRWA wiederum kümmerte sich ausschließlich um palästinensische Flüchtlinge.

Arme Länder nehmen die meisten Flüchtlinge auf

Doch entgegen des Empfindens vieler Europäer ist nicht die EU das Hauptziel der Geflüchteten. Die weitaus größte Last tragen ärmere Länder im Umkreis der Krisenregionen.

Manche Leute glauben, die Flüchtlingskrise sei eine Krise in den reichen Ländern. Das ist nicht der Fall,

kommentierte UNHCR-Chef Filippo Grandi die aktuelle Erhebung. Tatsächlich leben 85 Prozent der Flüchtlinge in sehr armen Ländern oder in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen, so Grandi. Zugleich forderte er reiche Staaten dazu auf, Verantwortung in der globalen Flüchtlingskrise zu übernehmen:

Niemand wird freiwillig zum Flüchtling. Aber wir anderen können helfen.

Deutschland auf Platz 6 der Zufluchtsländer

Mit 3,5 Millionen Menschen hat die Türkei im vergangenen Jahr weltweit die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten stammen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien. Deutschland nahm 2017 rund 970.400 geflüchtete Menschen auf. Damit steht die Bundesrepublik an sechster Stelle der humanitären Hilfsbereitschaft. Noch mehr Menschen nahmen Pakistan, Uganda, der Libanon und der Iran auf.

Allerdings kehrten 2017 auch fünf Millionen Vertriebene in ihre Heimatorte zurück.

Große Hoffnungen knüpft Grandi an die für den Herbst angesetzte internationale Vereinbarung der Vereinen Nationen über den Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen. Unter anderem soll ein größeres Budget die Fluchtursachen bekämpfen.