Heute nimmt die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission ihre Arbeit auf. Gestern ließen der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft und das Wirtschaftsunternehmen Prognos bereits durchscheinen, dass die Anhebung des Rentenalters ein Kernthema ihrer Arbeit sein wird.

Lebensarbeitszeit muss steigen

Ohne eine Anhebung des Rentenalters könne die Rentenversicherung nicht dauerhaft stabil bleiben. Insofern sollte die Rente mit 69 schrittweise in Betracht gezogen werden.

Eine verlängerte Lebensarbeitszeit bietet einen vierfachen Vorteil,

erklärt Prognos-Rentenexperte Oliver Ehrentraut und begründet seine Annahme wie folgt:

Erstens wird die Finanzierungsbasis der Rentenversicherung stabilisiert, wenn die Menschen erst später in den Ruhestand gehen. Zweitens wird der Steuerzahler entlastet, weil der Bundeszuschuss dann ebenfalls weniger dynamisch ansteigt.

Nach Einschätzungen von Prognos solle angesichts des Fachkräftemangels auch der Arbeitsmarkt von einem späteren Renteneintrittsalter profitieren.

Rentenbelastung steigt in 20 Jahren um 25 %

Das Problem sei die voranschreitende Überalterung der Bevölkerung. Dies stellt die Renten- und Gesundheitssysteme vor massive Herausforderungen. Prognosen lassen schon jetzt vermuten, dass immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner sorgen müssen. Im Moment sind es 2,8 Menschen im Erwerbsalter auf einen Rentner. In zwanzig Jahren werden es nur noch 1,8 Menschen auf einen Rentner sein. Die Rentenversicherungen erwarten folglich, dass die Beitragsbelastung für Versicherte um 25 Prozent ansteigen wird. Die Renten sinken dagegen gemessen am Durchschnittseinkommen um 11 Prozent.

Auch der Bund muss künftig mehr zahlen, denn der Bundeszuschuss ist an die Entwicklung des Beitragssatzes gekoppelt. Steigt der Beitragssatz, muss der Staat mehr Geld in die Rentenkasse fließen lassen. Insofern werden auch Steuerzahler stärker belastet, die nicht in die Rentenkasse einzahlen.

Auswirkungen des demographischen Wandels

Bis 2024 werden laut Prognos und GDV weder Beitragssatz noch Rentenniveau die zugesicherten Grenzen über- bzw. unterschreiten. Danach treten allerdings die Folgen des demographischen Wandels dramatisch hervor.