Was hat sich Deutschland auf den WM-Auftakt gegen Mexiko gefreut. Als Weltmeister sollten wir den ersten Gegner in der Vorrunde doch mühelos aus dem Weg räumen. Doch was die deutsche Elf da gestern im Moskauer Luschniki-Stadion auf dem Platz fabrizierte, erinnerte eher an einen Bummelzug als an einen ICE. Nach einem 0:1 durch Hirving Lozano in der 35. Minute gelang es dem amtierenden Weltmeister nicht mehr, das Spiel zu drehen. Im Gegenteil, die vielen Konterchancen der Mexikaner hätten Jogis Jungs mit einem noch höheren Sieg vom Platz fegen können.

Droht Deutschland der Weltmeisterfluch? Schon Frankreich (2002), Italien (2010) und Spanien (2014) waren seinerzeit in der Vorrunde ausgeschieden. Doch davon lässt sich Bundestrainer Löw gar nicht beeindrucken.

Uns wird es nicht passieren!,

stellte der Bundestrainer nach dem Spiel klar. Die Mannschaft habe genug Erfahrung, um auch mal mit so einer Niederlage umzugehen und werde wieder aufstehen, so Löw.

Einen ordentlichen Dämpfer hat die Pleite gegen Mexiko dennoch hinterlassen. Der DFB teilte noch am späten Sonntagabend mit, dass das Spiel zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgearbeitet werde.

Keine Panik!

Einen solchen Fehlstart hatte Joachim Löw nicht auf der Agenda.

Das ist für uns eine absolut ungewohnte Situation, weil wir bei vielen Turnieren das erste Spiel gewonnen haben,

sagte der 58-Jährige im abgeschiedenen Teamquartier in Watutinki. Ernsthafte Sorgen macht er sich jedoch nicht.

Es gibt keinen Grund, völlig auseinanderzufallen, weil man ein Spiel verloren hat. In der Vorrunde gibt es drei Spiele. Wir haben alle Möglichkeiten, das zu korrigieren,

machte Löw Mut.

Bereits am kommenden Samstag müssen sich seine Jungs gegen Schweden behaupten. Und das wollen sie besser machen.

Wir haben die Fehler erkannt. Es sollte der letzte Warnschuss gewesen sein, um das abzustellen und endlich zu gewinnen,

sagte Angreifer Timo Werner.

Auch die Führungsspieler Jérôme Boateng und Mats Hummels dürften sich fürs nächste Match mehr Rückendeckung erhoffen. Beide fühlten sich im Abwehrzentrum oft im Stich gelassen.

Die Mexikaner sind vier-, fünfmal allein auf uns zugelaufen,

beanstandete Boateng und setzte auf die Stärke der Mannschaft:

Es gibt kein Wenn und Aber, sondern nur sechs Punkte. Und dann sind wir weiter. Dementsprechend müssen wir auftreten.

Verbessern müsse sich laut Löw auch das sonst so kombinationssichere Zusammenspiel der deutschen Elf. Die zahlreichen Ballverluste nannte er „fahrig“. Hier sind insbesondere Thomas Müller und Sami Khedira. Beide konnten im gestrigen Spiel nicht überzeugen.

Ob es fürs Achtelfinale reicht? Schweden und Südkorea heißen unsere nächsten Herausforderer.