Während sich Großbritannien und seine westlichen Verbündeten im Skripal-Giftskandal gegen den Kreml als vermeintlichen Drahtzieher formieren, fährt der alte und neue Präsident Wladimir Putin sein bisher bestes Ergebnis bei einer russischen Präsidentschaftswahl ein. Mit 76,7 Prozent (vorläufiges Wahlergebnis) der abgegebenen Stimmen wurde er ins Amt gewählt. Das Volk stand am Sonntagabend auf dem Manezhnaja-Platz in Moskau zu Dreiviertel der Wahlberechtigten geschlossen hinter ihrem Hoffnungsträger. Und eines scheint symptomatisch: Je größer die Kluft zwischen dem Westen und dem Osten, desto stärker ist Putins Rückhalt in der russischen Bevölkerung. Eine Treue, die Putin zu schätzen weiß:

Ihr seid ja unser Team und ich bin Mitglied eures Teams. Darin sehe ich Vertrauen und Hoffnung – die Hoffnung unserer Bürger, dass wir auch weiter so angestrengt arbeiten, so verantwortungsvoll und mit noch größeren Resultaten.

Die Wahlbeteiligung soll bei mehr als 67 Prozent gelegen haben. Für weitere sechs Jahre wird der 65-Jährige nun das flächengrößte Land der Welt regieren.

Signal an den Westen

Die heftige Auseinandersetzung mit London über den Nervengift-Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal soll Putin noch mehr Wähler zugespielt haben. Sein Wahlkampfsprecher Andrej Kondraschow bedankte sich ironisch für die Schützenhilfe aus London:

Immer wenn Russland laut und ohne Beweise beschuldigt wird, was macht das russische Volk? Es schließt sich um das Zentrum der Macht zusammen.

Putin wies den Vorwurf des Westens, in die Skripal-Angelegenheit verwickelt zu sein, als „Unsinn“ zurück.

Russland hat dieses Mittel nicht, wir haben alle unsere chemischen Waffen unter Kontrolle internationaler Beobachter vernichtet,

bekräftigte er gestern in Moskau. Er selbst habe aus den Medien von dem Fall erfahren:

Als erstes habe ich gedacht: Wenn das ein militärischer Kampfstoff war, dann wären die Leute auf der Stelle tot gewesen.

Großbritannien beschuldigt Moskau, Skripal und dessen Tochter Yulia mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok vergiftet zu haben.

Putin versicherte gestern, Moskau sei zur Zusammenarbeit bei der Aufklärung des Falls bereit. Großbritannien warf er vor, nicht an Kooperation interessiert zu sein. Beide Seiten hatten als Konsequenz Diplomaten ausgewiesen. Deutschland, Frankreich und die USA stehen geschlossen hinter Großbritannien.